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gewesen, dann hätte die Regierung von dieser ersten Goldbeschaffungabsehen können. Die Folge wäre nicht ein Unterbleiben der deutschen Goldbezüge aus England gewesen, denn diese Übertragungen wäreil beider durch die Kontribution geschaffenen Lage im Wege des freien Ver-kehrs erfolgt. Auch dann wären große Störnngen des internationalen,vor allem des englischen Geldmarktes, wie sie z. B. oft durch eiuenplötzlichen amerikanischen Goldbedarf, der aus den GetreideexportenAmerikas entstand und im Wege des freien Verkehrs befriedigt wurde,hervorgerufen worden sind, unvermeidlich gewesen. Daß auch auf demvon der Reichsregieruug eingeschlagenen Wege solche Störungen ein-getreten sind, kann dieser nicht von vornherein zum Vorwurf gemachtwerden.
Die deutschen Goldkäufe in London begannen Ende Juli oder An-sang August. Aus deu Wochenberichten des Ekonomist läßt sich schließen,daß diese Goldankäufe etwa 2 Millionen Pfuud Sterling betragen haben.
Der Londoner Geldmarkt schwamm damals in Geldsülle und ließsich dnrch die bevorstehenden Ansprüche merkwürdigerweise nicht im ge-ringsten stören. Trotz der dem Londoner Geldmarkt bei der Milliarden-zahlung zufallenden Rolle, trotz der Ansammlung englischer Wechsel indem Portefeuille der Reichsregierung, trotz der Einstellung der deutschen Silberprägung und des AufHörens der Silberremittierungen nach Deutsch-land, welche jedem, der offene Augen hatte, zeigten, daß Deutschland seine Forderungen in Gold realisieren werde, — trotz alledem hielt dieBank von England einen Diskont von 2 °/o.
Auch die ersten deutschen Goldankäufe scheinen nicht den mindestenEindruck hervorgebracht zu haben.
Als jedoch im September der normale Herbstbedarf zu der aus-ländischen Goldnachfrage, welche während mehrerer Wochen alles an-kommende Gold wegnahm, hinzutrat, begann sich die Lage zu äudern.Auf dem offenen Markt wurde Gold knapper, und die Ansprüche, welchesich bisher auf den offenen Markt beschränkt hatten, traten nunmehr andie Bank von England heran. In der Zeit von vierzehn Tagen wurdenihr etwa 2Vs Millionen Pfund Sterling entzogen, wohl zu einem großenTeil für Rechnung der Reichsregieruug.
Jetzt erst scheint den Leitern der Bank von England die Lage klargeworden zu sein. Die Goldentziehung für Deutschland erinnerte sie zuihrem Schrecken, daß ein großer Teil des Barvorrates der Bank aus