Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Nach dem Erlaß des Gesetzes vom 4. Dezember 1871, welches dieAusprägung von Reichsgoldmünzen anordnete, ging die Reichsregierungmit größeren Goldankäufen vor.

Ein erheblicher Teil des im Laufe des Jahres 1872 beschafftenGoldes wurde durch die Vermittelung der Seehandlung in Deutschland selbst aufgekauft. Im ganzen belief sich bis zum März 1873 der inDeutschland angekaufte Betrag auf etwa 260 Milliouen Mark, darunterallein für ca. 150 Millionen Mark Napoleons, der Nest in anderen aus-ländischen Sorten und in Barren. Augenscheinlich befand sich bereitsvor dem Krieg ein erheblicher Teil dieser Goldmünzen in Deutschland ;wesentliche Beträge sind jedenfalls sofort nach dem Friedensschluß infolgeder bevorstehenden Milliardenzahlung als Gegenwert für Ziehungen aufdeutsche Häuser, welche der deutschen Regierung auf die Kontribution inZahlung gegeben werden konnten, nach Deutschland remittiert worden.

Der Ankanf dieser Goldmenge seitens der Reichsregierung konnteweder auf die ausländischen Geldmärkte noch auf den deutschen Geld-markt einwirken; auf die ausländischen deshalb nicht, weil ihnen dasGold nicht erst entzogen zu werden brauchte, und auf den deutschen nicht,weil ausläudiiche Goldmünzen nur in beschränktem Umfang als Zahlungs-mittel verwendet werden konnten.

Wir wenden uns nun zu den Goldbezügen der Reichsregierung ausEugland.

Es scheint, daß während des ersten Quartals 1871 kein Gold aus Eng-land beschafft worden ist. Offenbar waren die Münzstätten hinreichend mitPrügematerial versehen. Die Reichsregierung behielt ihre Wechsel aufEngland in der Hand und ließ deren Erlös, soweit sie in jener Zeitfällig wurden, ihrem Guthaben bei der London Joint Stock Bank zu-wachsen.

Die Bank von England hielt während des ganzen Vierteljahreseinen Diskont von 3 °/o; der Satz auf dein offenen Markte für Drei-mouatswechsel war im Januar zeitweise 2^8 und 2^4 und stieg dannallmählich auf 3 °/o und darüber.

Während dieses Vierteljahres erfolgte die Übertragung der auf dieersten zwei Milliarden noch ausstehenden 500 Millionen Francs an diedeutsche Regierung. Sie begann Mitte Januar und war am 12. Märzbereits erledigt.

Eine Wirkung der Übertragung selbst auf den Geldmarkt läßt sichnicht erkennen, begreiflicherweife! Eine Wirkung konnte sich erst zeigen,

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