Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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deutschen Goldkäufe gewohnt nnd ihre anfängliche Nervosität dieser neuenErscheinung gegenüber abgelegt.

Der offene Markt dagegen war etwas überrascht, daß die Bankrate nurum ^ °/u hinaufgesetzt wurde. Er blieb auch in der Folgezeit stets inErwartung einer neuen Diskonterhöhung. Eine solche trat aber selbstdann nicht ein, als Ende Juli durch die Begebung der französischen Drei-Milliarden-Auleihe ein starker Goldbedarf entstand.

Der große Erfolg dieser Anleihe ist bekannt. Sie wurde mehr alszwölfmal überzeichnet. Der Gesamtbetrag der Zeichnungen überstieg4l Milliarden Francs . Das Ausland war dabei - im Gegensatz zuder ersten Milliarden-Anleihe, welche fast ausschließlich iu Frankreich selbst untergebracht wurde zu mehr als der Hälfte beteiligt. Vorallem nahm der Londoner Markt einen großen Teil der Anleihe auf.

Aber die Zahlungen an Frankreich für den in England unter-gebrachten Teil der Anleihe erfolgten nur zu einem verschwindenden Teilin Bargeld. Die Goldausfuhr nach Frankreich während des III. Quartals1872 war zwar größer als in den vorhergehenden Vierteljahren, erreichteaber nicht einmal ganz 2/4 Millionen F. Das wichtigste Zahlungs-mittel für die französische Anleihe war auch diesesmal wie im Jahre187 l für die von Frankreich nach England abgestoßenen Wertpapiereder Wechsel.

Dadurch erklärt es sich, daß die augenblickliche Wirkung der kolossalenAnleihe auf den Geldmarkt eine so geringe war.

Infolge der starken Goldeinfuhr aus Amerika trat in London sogareine positive Geldflüssigkeit ein, als nach der Begebung der französischen Anleihe Gold in die Bank zurückfloß.

Die Reichsregierung scheint diese günstige Lage zu bedeutenden Gold-beschaffungen benutzt zu haben. Das III. Quartal 1873 zeigt eine Gold-ausfuhr von England nach Deutschland , die fast Millionen F er-reichte. Diese Goldbeschaffung ist noch mit den Mitteln der ersten zweiMilliarden bewirkt worden; denn die Zahlungen auf die letzten drei be-gannen erst Ende August.

Wenn man die Zahlungsmittel betrachtet, in welchen die letztendrei Milliarden übertragen wurden, so fällt vor allem auf, daß mehr alsvier Fünftel des ganzen Betrages in Münzen, Zetteln, Wechseln undBankanweisungen deutscher Währungen geleistet wurden. Dagegentraten die Wechsel auf England , welche bei der Zahlung der ersten beiden