Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Milliarden weitaus den größten Raum eingenommen hatten, völlig zurück.Gegen 24,7 Millionen A aus die ersten zwei Milliarden, wurden auf dieletzten drei Milliarden nur '/s Million F in Wechseln auf England ge-zahltWährend die ersten zwei Milliarden zu zwei Dritteln ausSterling-Wechseln bestanden hatten, machten diese bei den letzten dreiMilliarden nicht einmal ^/s aus.

Wechsel auf Belgien und Holland , welche bei den ersten zwei Milliardengleichfalls stark vertreten waren, kamen bei den letzten drei Milliardenüberhaupt nicht in Betracht. Außer den erwähnten deutschen Zahlungs-mitteln sind nur französisches Gold- und Silbergeld, belgische Banknotenund der erwähnte geringe Betrag von Wechseln auf England eingezahltworden.

Diese Erscheinung ist um so auffallender, als wie wir gesehenhaben Frankreich die Drei-Milliarden-Anleihe in einem viel größerenUmfang im Ausland unterbrachte, als die Zwei-Milliarden-Anleihe, undals es den Gegenwert dafür nur zum geringsten Teil in Bargeld, zumgrößten Teil in Wechseln erhielt. Es erscheint in hohem Grade ver-wunderlich, warum Frankreich diesesmal nicht mit Forderungen aus Eng-land und andere Länder zahlte, und wie es Frankreich möglich war, dieenorme Masse deutscher Zahlungsmittel auszutreiben.

In Wirklichkeit zahlte Frankreich an Deutschland auch diesesmalenorme Beträge von Forderungen auf das Ausland, nur in anderer Form.Die französische Regierung übertrug diese Forderungen, welche ihr ausder Begebung ihrer Anleihe zuflössen, nicht direkt an die deutscheRegierung, sondern zog es vor, sie gegen Forderungen auf Deutschland auszutauschen und der deutschen Regierung diese letzteren in Zahlungzu geben. Sie ließ die französischen Banquiers die Wechsel auf England ,Belgien u. f. w. auf deutschen Plätzen gegen deutsche Valuta verkaufenund entrichtete den Erlös an die Reichsregierung.

Der Grund für das geänderte Verfahren war, daß dieser Weg fürdie französische Regierung bedeutend vorteilhafter war. Der Kurs, zuwelchem die Reichsregierung die ausländischen Wechsel in Zahlung nahm,war wesentlich ungünstiger, als der Kurs, zu welchen: sich diese Wechseldamals auf den deutschen Wechselplätzen unterbringen ließen.

Es bietet einiges Interesse, die aus dieser Art der Zahlung undaus der deutschen Goldbeschaffung sich ergebenden Transaktionen mit denfrüheren zu vergleichen.

Siehe oben S. 236.