Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
271
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Export-Überschuß vergrößerte die französischen Forderungen an das Aus-land noch über das gewöhnliche Maß.

Schließlich wurde die sich daraus ergebende Tendenz, Gold einzu-führen, von der Bank von Frankreich durch ihre Diskont- und Prämien-Politik, vielleicht auch durch direkte Goldankäufe, auf das nachdrücklichsteunterstützt.

Gegenüber der französischen Goldnachfrage treten die Goldbeschaffungender Reichsregiernng sehr in den Hintergrund.

Nachdem die Reichsregierung länger als ein Jahr kein Gold aus London bezogen hatte, begann sie im Februar 1875, die Goldbeschaffuug wiederaufzunehmen. Bis Anfang Mai führte sie fortgesetzt kleinere Goldankäufeaus. Sie verwendete dazu augenscheinlich den in Sechsmonats-Wechselnauf London bestehenden Erlös aus den beträchtlichen Silberverkäufen,welche Ende 1874 und Ansang 1875 in Calcutta und Bombay abge-schlossen worden waren und deren Erlös sich auf etwa 28 MillionenMark belief.

Auf den Londoner Markt machten diese Goldankäufe nicht denmindesten Eindruck. Nachdem die Bankrate Mitte Februar in Rücksichtauf den Goldabfluß uach Frankreich auf 3Vs °/o erhöht worden war,blieb der Diskont Monate lang unverändert. Der Marktzinsfuß hieltsich meist unter dem Banksatz.

Der Ekonomist vom 13. Februar 1875 machte damals schon dieBemerkung, daß in Zukunft Deutschland mehr durch die Wirkungen desneuen Banksysteins, als durch die direkte Intervention der Regierung demLondoner Markt Gold entziehen werde.

Davon konnte nun allerdings vorläufig noch nicht die Rede sein.Die wesentlichen Einrichtungen der neuen Bankverfassung waren erst nochin Kraft zu fetzen, und außerdem war die ganze Lage durchaus nicht da-nach angethan, eine Überführung von Gold aus England nach Deutsch-land im Wege des freien Verkehrs zu ermöglichen. In Deutschland herrschte damals die größte Geldflüssigkeit. Die Diskontsätze auf demoffenen Markte waren, trotz aller Bemühungen der preußischen Bank, siezu steigern, seit vielen Monaten fast ununterbrochen niedriger als inirgend einem andern europäischen Landes Die deutschen Wechselkurseauf das Ausland standen in Übereinstimmung mit der Lage des Diskont-marktes so hoch, daß sie Metallsendungen von Deutschland ins Ausland,

l Siehe Anhang III.