Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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namentlich nach Frankreich, aber auch nach England ermöglichten. Unterdiesen Umständen konnte eine Übertragung von Gold aus England nachDeutschland nur durch die Vermittelung der Reichsregierung stattfinden.

Bei Beginn des zweiten Halbjahres 1875 trat jedoch ein Um-schwung ein.

Eine längere Unterbrechung der französischen Goldbezüge ließ überall,nameutlich in London eine merkliche Erleichterung des Geldmarktes ein-treten. Während des Juli und August setzte die Bank von England schrittweise ihren Diskont herab. Am 12. August normierte sie ihreRate, zum ersten Mal wieder seit 1871, auf 2°/o, gewissermaßen alsZeichen dafür, daß sie nunmehr den Einfluß der französischen Kontributionmit allen ihren Nachwirkungen für überwunden hielt.

Nur iu Deutschland begannen die Diskontsätze unter der Einwirkungverschiedener Umstände zu steigen, namentlich infolge der durch die Be-seitigung der kleineren Notenabschnitte und die Zurückziehung des Staats-papiergeldes bewirkten Verminderung der Zirkulationsmittel.

Die veränderte Lage des deutschen Geldmarktes bewirkte das Aufhörendes Goldabflusses.

Mit der Verschiebung der Lage des Geldmarktes traten gleichzeitigwichtige Einrichtungen der neuen Währungsverfassung in Wirksamkeit.

Ein Erlaß des Reichskanzlers gab im Juni die Goldprägung frei,und im August begann die preußische Bank, wie es Art. 14 des Bank-gesetzes für die Reichsbank vorschrieb, Gold in Barren zu 1392 Markpro Pfund Fein und ausländische Goldmünzen zu entsprechend normiertenPreisen anzukaufen.

Damit war für die Arbitrage die Möglichkeit großer Goldimportegegeben. Das deutsche Geldwesen konnte von nun ab selbstthätig imFalle günstiger Konjunkturen Gold an sich ziehen.

Und eine solche günstige Konjunktur war seit dem August vorhanden.

Die Wechselkurse auf das Alisland sanken erheblich. Der Londoner Wechselkurs iu Berlin stand vom September ab bis gegen Jahresschlußhäufig unter dem Einsuhrpunkt für Gold. Das letzte Vierteljahr 1875weist dementsprechend eine starke Ausfuhr von Gold aus England nach Deutschland auf, und zwar eine Summe von 4,678.800 F94^2 Millionen Mark auf. Da die gesamten Goldankäufe der Reichs-regierung während jenes Jahres 100 Millionen Mark nur wenig über-stiegen und ein großer Teil davon (gegen 30 Millionen Mark) auf daserste Halbjahr fällt, kommt von dem englischen Goldexport nach Deutsch -