Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Die Verkäufe beliefen sich im Jahre 1873 auf nicht ganz 40,000Pfund Feinsilber, im Jahre 1874 auf 770.000 Pfund; von diesen letzterenVerkäufen wurde mehr als die Hälfte in Indien und Shanghai ab-geschlossen.

Im Jahre 1875 hörten die Verkäufe wieder vollständig auf; erst imSeptember wurden sie wieder aufgenommen.

Im Gegensatz zn dem langsamen Vorgehen der Reichsregierungzeigte sich die Preußische Bank bereits vor dem Erlaß des ersten Münz-gesetzes bemüht, ihren Vorrat von Silberbarren zu veräußern.

Ferner verkaufte die Hamburger Girobank in der ersten Hälfte desJahres 1873 ihren gesainten Silberbarrenbestand im Wert von etwa45 Millionen Mark. Ob andere deutsche Banken damals schon sich inähnlicher Weise ihrer Silbervorräte entledigten, ist unbekannt.

Im ganzen waren bis zum Herbst 1875 die Silberverkäufe desReiches und der beiden erwähnten großen Banken im Verhältnis zu denübrigen auf den Silberpreis einwirkenden Faktoren so wenig erheblich,daß sich nicht annehmen läßt, der Silberpreis sei durch diese Verkäufe be-herrscht oder auch uur wesentlich beeinflußt worden.

Diese Annahme wird bestätigt, wenn man die Entwickelung desSilbermarktes während dieser Jahre, welche mit einem Tiefstand desSilberpreises von 55^/2 ä im Juli 1875 abschloß, im einzelnen verfolgt.

Als die Preußische Bank im September 1871 das erste Silber zumVerkauf nach London sendete, zeigte der Silbermarkt gerade eine sehrflaue Haltung. Die indische Silbernachfrage, welche während des ganzenJahres überaus gering war, stockte damals während mehrerer Wochenvollständig, nnr für den europäischen Kontinent selbst, namentlich fürHolland , war ein mäßiger Bedarf vorhanden.

Unter diesen Verhältnissen machte der Verkauf von mehr als 220.000Pfund Feinsilber einige Schwierigkeiten, und er brachte der PreußischenBank den verhältnismäßig ungünstigen Erlös von nnr 88,65 Mark proPfund fein.

Der Verkauf mag momentan den Silberpreis um ^/i« oder ^gedrückt haben, eine dauernde Wirkung hat er nicht ausgeübt. Bereitsim November stand das Silber wieder auf 60^/8 und im Februar 1872stieg der Silberpreis gar bis auf 61^/s ä, auf einen Preis, der seit Jahrennicht mehr erreicht worden war.

Die Preußische Bank benutzte die günstige Konjunktur zum Verkaufeines weiteren, nicht beträchtlichen Silberquautums.