Gerade weil der starke Preissturz des Silbers nicht auf reellenUrsachen beruhte, sondern durch eine sinnlose Panik verursacht war, mußtedie Krisis bald ihr Ende finden. Käufer und Verkäufer brauchten sichnur aus sich selbst zu besinnen.
Für Silber war in London stets ein Bedarf vorhanden, der nichtlange ungedeckt bleiben konnte. Eine längere Dauer des Zustandes, daßjedermann zu jedem Preis verkaufen, niemand kaufen wollte, war deshalbschlechthin unmöglich. Sobald aber wieder umfangreiche Silberverkäufe,gleichviel zu welchem Preis, abgeschlossen wurden, war die Krisis über-wunden. Dann mußten wieder die realen Faktoren des Angebots undder Nachfrage in ihre Rechte eintreten.
In der That erfolgte auf die Panik eine überaus kräftige Reaktion.Noch im Laufe des Juli stieg der Silberpreis wieder auf 51 '/s ä undim August erholte er sich bis auf 53^/4 ä. In ungefähr fünf Wochenstieg er also um volle 7 ä, um ebensoviel, als er vor der Krisis in zehnWochen gefallen war.
Dieser Rückschlag war so stark, daß man geneigt ist, nach besonderenVerhältnissen zu suchen, welche die natürliche Reaktion auf die Panikbegünstigten und verstärkten.
Wer gewohnt ist, in den deutschen Silberverkäufen den wichtigstenFaktor für die Schwankungen des Silberpreises während jener Zeit zuerblicken, wird aus der rapiden Besserung des Silbermarktes auf eineEinschränkung der deutschen Silberkäufe schließen müssen.
Schlägt man jedoch in der Übersicht über die deutschen Silberverkäusenach, dann findet man, daß die Reichsregierung ihre seit dem 24. Junieingestellten Silberverkäufe unmittelbar nach der Krisis, am 14. Juli,wieder aufnahm, daß sie in der zweiten Hälfte des Juli für 300.000 F,in der ersten Hälfte des August für 375.000 F Silber, zusammen also
des Silberpreises „wesentlich" durch dieses Gerücht „veranlaßt" sei, — kein Wort;im Gegenteil ist ausdrücklich bemerkt, daß das Gerücht keinen Glauben fand.
Es ist nicht nieine Absicht, dieses Buch mit Auseinandersetzungen über solcheFälschungen zu belasten, welche in der Arendtschen Schrift häufig wiederkehren undwelche speciell in dem Kapitel über die Silberentwertung nicht eine Ausnahme, sonderngeradezu die Regel sind. Ich beschränke mich deshalb darauf, diesen einen Fall hierfestzunageln, und zwar lediglich um zu begründen, warum ich mich in diesem Kapitel mitder Arendtschen Schrift, der einzigen, welche bisher die Vorgänge auf dem Silber-markt während der deutschen Münzreform ausführlich behandelt, nicht weiter beschäftige,obwohl diese Schrift seiner Zeit großes Aussehen erregt und manchen angesehenenNationalökonomen zum Bimetallismus bekehrt hat.