Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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zu verschleudern. Vielleicht hätte die Zurückhaltung, welche die Reichs-regierung seit dem 24. Juni übte, die Krisis früher zum Stillstand ge-bracht, wenn nicht der indische Rat durch seine Councilbill-Begebungenvom 5. Juli gezeigt hätte, daß er selbst zu Preisen, die um fast 3 äunter denjenigen des letzten deutschen Verkaufs standen, seine Wechselabzugeben bereit sei.

Wie weit die allgemeine Verwirrung ging, geht daraus hervor, daßAnfang Juli, obwohl Deutschland im Juni nur für 200.000 F Silberauf dem Londoner Markt verkauft hatte und seit dem 24. Juni sichvöllig zurückhielt, das Gerücht auftauchen konnte, die Reichsregierungwolle monatlich 120 Tonnen Silber losschlagen, eine Menge, welche beidem Preis des letzten deutschen Silberverkaufes (51V8 ck) einen Wertvon etwa 715.000 F darstellte! Allerdings fügt derEkonomist ", derdieses Gerücht beiläufig verzeichnet, hinzu, daß es keinen Glauben fand^.

! In geradezu unerhörter Weise sucht Or. Otto Arendt in seiner Schrift:Die vertragsmäßige Doppelwährung", Berlin 1880, Bd. I, den Nachweis zu führen,daß die Silberentwertung, und namentlich auch die Silberpanik im Juli 1876ledig-lich eine Folge der deutschen Silberverkäufe" gewesen sei. Auf S. 94 führterjene denkwürdige Panik vom Juli 1876" darauf zurück, daß die Silbereinfuhraus Deutschland, mithin auch die deutschen Silberverkäufevon Monat zu Monat bisauf 612.669 im Juli" gestiegen seien. Auf S. 95 sucht er nachzuweisen, daß dieCouncilbills, deren Begebungen gleichfalls vom März bis zur Julikrisis von Monatzu Monat sich steigerten, unschuldig an der Panik gewesen seien, und zwar schreibt erzu diesem Zweck:

Höchst srappant ist aber, daß in den ersten Monaten 1876, wo dieSilberpanik stattfand (Juli!!), die Verkäufe der Wechsel ganz aufgehört hatten.Diese Thatsache beweist, daß auch die indischen Regierungswechsel nicht zu den Ur-sachen der Silberentwertung gerechnet werden können."

Arendt verlegt also auf S. 96 die Silberpanik, welche auf S. 94 im Juli, demMonat des starken deutschen Silberimportes, stattfand, auf dieersten Monate"des Jahres 1876, weil ihm hier der Juli für seine Beweisführung nicht paßt.

Nicht genug damit, beruft er sich zum Beweis dafür, daß wirklich die deutschen Silberverkäufe die Ursache der Panik waren auf den Ekonomist, indem er schreibt:Im Ekonomist vom 8. Juli 1876 lesen wir, daß das Fallen des Silberpreiseswesentlich durch das Gerücht veranlaßt sei, die deutsche Regierungwerde monatlich 66v.ö()v A Silber verkaufen." Das Gerücht, von demArendt spricht, wird in der von ihm bezeichneten Nummer lediglich in folgender Formerwähnt. Es heißt in dem üblichen Marktbericht:Lilvsr Iias turtiisr kallsn to47 ct. pro 02. stgiiclilril. ^.t tQis pries tilg 120 toiis ^viiieil is saicl (kut notdslisvsci) tiis Ksrlr>g.n Koveriiiriölir, xroposs to ssll nioritlll^ vill ksteir about66V.VV9 S°." Hier steht also nichts, als daß die deutsche Regierung bei dem be-stehenden Silberpreis für das Silberquantum, welches sie nach einem Gerücht monatlichzu verkaufen beabsichtige, etwa 65V.WV A erhalten werde. Davon, daß das Fallen