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der letzten Wochen fast den ganzen verkaufsbereiten Silbervorrat desReichs absorbiert hatten.
Diese Stockung bewirkte, daß Deutschland von der Preissteigerungdes Silbers in der ersten Dezemberhälfte keinen Nutzen ziehen konnte.Die Reichsregierung schloß ihren letzten Verkauf vor der Übertragung desGeschäftes an die Reichsbank am Anfang des Monats Dezember zu 55 ^4 äab. Während von nun ab der Preis bis auf 58^2 stieg, wurde keindeutsches Silber verkauft. Offeubar hat bei der günstigen Lage allerübrigen Verhältnisse die halb unfreiwillige Zurückhaltung Deutschlands zu diesem stärksten Preisaufschwung beigetragen.
Dieser Preisaufschwung war jedoch sehr vorübergehender Natur.Die Reichsbank hatte, bereits ehe er eingetreten war, der London Joint,,Stock Bank 50.000 Pfund Feinsilber zum Verkauf überwiesen und dabeifür die erste Hälfte dieses Quantums ein Preis-Limitum von 57 '/s, fürdie zweite Hälfte von 58 ck festgesetzt. Trotzdem die offizielle Silber-preisnotiz bis auf 58 V2 stieg, war es der Londoner Bank nicht möglich,das deutsche Silber zu dem festgesetzten Limitum zu verkaufen. Ohne daßein Pfund deutschen Silbers verkauft worden wäre, ging der Silberpreisin der dritten Dezemberwoche infolge weichender Kurse auf Indien bisauf 56 ck zurück. Als dann wieder eine Besserung eintrat, verkaufte dieNeichsbank vom 22. bis zum 30. September für 540.000 F Silber zuPreisen, welche sich von 56°/s bis 57 ä steigerten.
Im Januar 1877 setzte sich unter dem Einfluß des anhaltend starkenindischen Bedarfes die Steigerung des Silberpreises fort. Die Nachfragewar so lebhaft, daß es gelang, das von der Reichsregierung überwieseneSilber stets sofort nach der Ablieferung zu immer besseren Preisen ab-zusetzen. Am 19. Januar wurden 100.000 F Silber zu 58^4 ä ver-kauft.
Damit war der Höhepunkt der Besserung des Silbermarktes erreicht.Nachdem sich das Silber binnen eines halben Jahres von 46^/4 ck bis auf58^4—1/2 erholt hatte, trat nunmehr abermals ein Preisrückgang ein.Bis zum Beginn des Februar sank das Silber bis auf 57^2, EndeFebruar war ein Preis von 56 Ä erreicht, im Laufe des März trat einPreisrückgang bis auf 53'/2Ä ein. Das war innerhalb einer Zeit vonwenig mehr als 2 Monaten ein Preisrückgang von fast 5ä.
Dabei waren die Silberverschifsungen nach Indien und China inden drei ersten Monaten des Jahres 1877 außerordentlich stark. Siebetrugen im Januar 1.252.000 F, im Februar 867.000 F, im März