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Zu der Steigerung der indischen Nachfrage kam eine Verringerungdes amerikanischen Angebots. Nicht nur, daß die Spekulation auf dieMöglichkeit der Annahme eines Silbergesetzes Silbervorräte in Amerika zurückhielt, ja sogar in geringem Umfang Silbersendungen von England nach Amerika veranlaßte; auch die Regierung der Vereinigten Staaten selbst, welche seit längerer Zeit mit der Ersetzung der kleinen Zettel durchSilberscheidemünzen beschäftigt war, trat in London als Käufer fürSilber auf^.
Ferner veröffentlichte die Times Ende November einen Brief überdie amerikanische Silberproduktion, der allgemeines Aufsehen erregte. Diebisherigen Angaben über die Ergiebigkeit der amerikanischen Minen seienhochgradig übertrieben. Dr. Lindermann habe früher die Silberproduktionder Vereinigten Staaten auf 50 Millionen Dollars geschätzt, während siejetzt nur auf 28 Millionen Dollars geschätzt werde.'
Auch dieser Brief trug dazu bei, die optimistische Stimmung desSilbermarktes zu erhöhen.
Die deutschen Silberverkäufe dagegen traten hinter diesen Umständenvöllig zurück. Obwohl sie im letzten Vierteljahr 1876 etwa doppelt sostark waren, wie im ersten Halbjahr ^, haben wir im letzten Quartal einePreissteigerung um 5 ä, während das erste Halbjahr den Kurssturz ummehr als 9 ä gebracht hatte. Abermals seheu wir hier, wie in der Zeitvom 14. Juli bis zum 14. August, bei erheblich steigenden Silber-preisen beträchtliche deutsche Silberverkäufe, abermals richtete sich derUmfang der deutschen Silberverkäufe nach der allgemeinen Marktlage,während sie umgekehrt einen bestimmenden Einfluß auf den Silberpreisnicht ausübten.
In der ersten Dezemberhälfte wurde die Leitung der Silberverkäufeder Reichsbank übertragen. Die Reichsbank bediente sich zu den vonnun an fast ausschließlich in London erfolgenden Verkäufen der Ver-mittelung der London Joint Stock Bank.
Der Wechsel verursachte eine kleine Stockung im Silberverkaufs-geschäst, welche dadurch noch verlängert wurde, daß die großen Verkäufe
i „It is statscl tlikt ttis ^msriean (Zovsrmnent clireetl^ or iiiclirsotl^ Iiasdouglit 200.000 A ok silvm- in I.ovclon kor eoioaAs xurxosss." Ekonomist vom11. November 1876.
^ Die Verkäufe des Reichs und der Reichsbank in London beliefen sich in diesemQuartal auf etwa 1.S60.000 K gegen 986.000 F im ersten Halbjahr.