Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Diesen ungewöhnlich starken Councilbill-Begebungen, nicht den deutschen Silberverkäufen, schreibt derEkonomist " den leichten Preisrückgang zu,welchen das Silber von der dritten Augustwoche an erlitt'.

Die neue Depression des Silberpreises war vorübergehender Natur.Sie dauerte nur bis in die zweite Hälfte des September, um dann einerneuen Preissteigeruug zu weichen.

Die Reichsregierung verkaufte während der Dauer der sinkendenSilberpreise in London nur für etwa 180.000 A Silber (vom 28. Augustbis zum 14. September), während das indische Schatzamt wöchentlich35 Lakh Rupien Councilbills im Wert von etwa 300.000 K anbot undverkaufte.

Das letzte Vierteljahr 1876 zeigt einen sich fortwährend steigerndenPreisaufschwung des Silbers. Ende September wurde, nachdem dasSilber wieder auf 51^4 gesunken war, ein Preis von 52 V/2 ä erreicht,Ende Oktober 53 Vs <Z, Ende November 54 V2 ä, und im Dezember stiegder Preis gar bis auf 58'/- ä.

Dieser neue Aufschwung des Silbermarktes beruhte auf eiuemZusammeutreffen verschiedener Umstände.

Vor allem auf einer neuen gewaltigen Steigerung der indischenSilbernachfrage. Mißernte und Hungersnot erzeugte» iu Indien einen ge-waltigen Geldbedarf, welcher fast uuunterbrochen während des ganzenJahres 1877 anhielt.

Im November wurden nach Indien über l'/s Millionen, nach Indienund China zusammen 1.844.000 F Silber verschifft. Die Verkaufs-abschlüsse über einen beträchtlichen Teil dieses Silbers fielen natürlichbereits auf den Oktober. Was diese gewaltigen Silberverschiffungen be-deuteten, dessen wird man sich bewußt, wenn man sich erinnert, daß imJanuar desselben Jahres nur für 279.000 K Silber uach Indien undChina ausgeführt wurden.

Verstärkt wurde die unmittelbare Wirkung der Silberverschiffungennach Indien durch die Erwartung, die Maßregeln zur Vekämpfuug derHungersnot würden die indische Regierung zur Aufnahme einer großenSilberanleihe veranlassen oder auf andere Weise gewaltige Silbersendungennach Indien bewirken.

' Die Thatsache, daß die Reichsregierung während der günstigen Konjunkturnicht mehr Silber verkaufte, schien demEkonomist " zu beweisen, daß die Regierungnicht allzu viel Silber zu verkaufen habe.Aber das indische Schatzamt hat großeVerkäufe seiner Schatzwechsel vorgenommen, und das Ergebnis war ein Preisrückgang."