Wären nicht inzwischen gewisse Gegenwirkungen eingetreten, von welchenwir später zu sprechen haben, dann hätte sich in jener Zeit von 4'/s Jahrender Bestand an Münzen deutschen Gepräges von 1.635 Millionen Markaus 2.737^/2 Millionen Mark — um volle zwei Drittel! — gesteigert.
Damit war vorläufig der Höhepunkt erreicht. In der Folgezeit nahmdie Silbereinziehung einen sehr großen Umfang an, während die Gold-prägungen sich verringerten. Die Scheidemünzprägungen waren nur nochim zweiten Halbjahr 1876 bedeutend.
Infolgedessen überstiegen von der Mitte des Jahres 1876 bis zurMitte des Jahres 1878 die Einziehungen von Landesmünzen die gleich-zeitigen Ausprägungen von Reichsmünzen im ganzen um mehr als143 Millionen Mark. Erst vom Juli 1878 an trat mit der Verminde-rung der Silberverkäufe und dementsprechend auch der Silbereinziehungwieder ein Umschwung ein. Die Ausmünzungen überstiegen die Ein-ziehungen um allerdings nicht erhebliche Beträge.
Die Einziehung von Landesmünzen und die Ausprägung von Reichs-münzen allein geben jedoch kein exaktes Bild der thatsächlichen Verände-rungen, welche in der Zusammensetzung und dem Umfang des Bestandesdeutscher Münzen stattgefunden haben. Außer ihnen sind die von privaterSeite vorgenommenen Einschmelzungen und die Exporte nach dem Aus-land in Betracht zu ziehen.
Da der Metallgehalt der Landessilbermünzen infolge der Silber-entwertung schon in der ersten Zeit der Reform uuter ihren Geldwertherabgesunken war, da ferner die Landesgoldmünzen schon frühzeitig be-seitigt wurden, sind Einschmelzungen und Exporte der Landesmünzen nichtzu berücksichtigen. Auch die Reichsscheidemünzen kommen aus ähnlichenGründen hier nicht in Betracht. Dagegen sind während der Durchführungder Geldreform große Beträge von Reichsgoldmllnzen teils im Inlandeingeschmolzen, teils nach dem Ausland exportiert und dort in die Kassender großen Banken gebracht, oder eingeschmolzen, oder umgeprägt worden.
Während wir es bisher mit genau feststellbaren und festgestelltenZiffern zu thun hatten, kommen wir auf das Gebiet unsicherer Schätz-ungen, sobald wir den Betrag der eingeschmolzenen uud exportiertenReichsgoldmünzen für die einzelnen Zeitabschnitte feststellen wollen. Dabeiist es weniger schwer, festzustellen, in welchen Jahren und Monaten einestarke Ausfuhr und starke Einschmelzungen von Reichsgoldmünzen statt-gefunden haben, als abzuschätzen, wie hoch sich die Ausfuhr und die Ein-
25*