Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Wesentliche Bestände ungeprägten Goldes dürften sich in jener Zeit,während welcher die Reichsregierung soviel wie möglich Gold als Präge-material ankaufte, bei den deutschen Banken noch nicht angesammelt haben.

In den Jahren 1874 und 1875 sind, nach zerstreuten Notizen imEkonomist " zu schließen ^, von den kleineren deutschen Banken Silberbarrenveräußert worden. Um wesentliche Beträge hat es sich dabei jedenfallsnicht gehandelt.

Im Jahre 1876 veräußerte die inzwischen in die Reichsbank um-gewandelte Preußische Bank den Rest ihres Silbervorrates.

Diese Verkäufe haben jedoch hier ein geringeres Interesse, dawenigstens bei der Preußischen Bank seit dem Frühjahr l875 dieSilberbarren nicht mehr zur Notendeckung gerechnet wurden. Im Grundegenommen waren die Silbervorräte der Banken mit dem Verbot derSilberausprägungdemonetisiert" ^. Wir dürften sie eigentlich von diesemZeitpunkt ab nicht mehr zum deutschen Geldvorrat rechnen. Die Thatsache,daß die Silberbarren von den Notenbanken bis zum Jahre 1875 alsNotendeckung angesehen wurden, zwingt uns jedoch, sie bis zu diesem Zeit-punkte zu berücksichtigen.

Vom Jahre 1874 ab haben wir die Bestände der Banken in Gold-barren und ausländischen Goldmünzen in Betracht zu ziehen. Nur fürdie Preußische und später für die Reichsbank stehen uns in dieser Be-ziehung genaue Angaben zur Verfügung. Die übrigen deutschen Noten-banken scheinen niemals erhebliche Goldbestände in ausländischen Sortenund Barren besessen zu haben.

Die Preußische Bank kaufte im Jahre 1874 Goldbarren und Gold-sorten für mehr als 80 Millionen Mark und hatte bei Beginn desJahres 1875 neben den Reichsgoldmünzen einen Goldvorrat von mehrals 106 Millionen Mark. Im ganzen darf man wohl den nicht ausdeutschen Goldmünzen bestehenden monetären Goldvorrat Deutschlands für diese Zeit auf 120 Millionen Mark veranschlagen.

Dieser Goldvorrat hat sich im wesentlichen während des Jahres 1874gebildet. Wenn wir annehmen, daß sich in der zweiten Hälfte des Jahres1873 der Umlauf fremder Goldmünzen, welchen wir für die Mitte desJahres 1873 auf 150 Millionen Mark geschätzt haben, auf 100 bis 120Millionen Mark verringert habe, dann kommt man zu der Folgerung, daß

1 Siehe oben S. 339.

2 Außer dem Silber der Hamburger Girobank.