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keine wesentlichen Einziehungen von Landesmünzen gegenüberstanden, undferner durch deu Zufluß fremder Silbermünzen. Darauf eine Abnahmedes Metallgeldbestandes, welche sich bis zur Mitte des Jahres 1875 fort-setzte. Diese Abnahme war verursacht zuerst durch die Austreibung derfremden Silbermünzen, dann durch eine Verminderung der Prägung vonReichsgoldmünzen und durch eine Verstärkung der Landesmunz-Ein-ziehungen, schließlich durch einen Goldabfluß nach dem Ausland. Inder zweiten Hälfte des Jahres 1875 trat vorübergehend wieder eine nichterhebliche Vermehrung des Metallgeldes ein, welcher vom Anfang desJahres 1876 bis zum Schluß des Jahres 1878 eine neue erheblicheVerminderung folgte. Erst das Jahr 1879 brachte wieder einen Zuwachsan metallischen Zirkulationsmitteln. Im ganzen ist eine starke Reaktionauf die enorme Vermehrung des Metallgeldes in der Zeit von 1871 bisMitte 1873 unverkennbar. Während der Metallgeldbestand in diesenersten Jahren der Reform um etwa 820 Millionen Mark zunahm, ver-ringerte er sich in der Folgezeit bis zum Beginn des Jahres 1879 wiederum etwa 390 Millionen Mark. Es wurde also nicht viel mehr als dieHälfte der anfänglichen — es sei abermals betont: nicht durch die Münz-reform, sondern durch die Milliardenzahlung hervorgerufenen — Ver-mehrung des Metallgeldbestandes festgehalten.
Was die Zusammensetzung des Metallgeldbestandes anlangt,so ist vor allem charakteristisch die ununterbrochene relative Vermehrungdes Goldgeldes. Vor der Reform kamen von dem gesamten metallischenGeldvorrat auf das Gold nur 12,4 °/o oder etwa ein Achtel; bereits umdie Mitte des Jahres 1873 bestand mehr als ein Drittel des Metallgeldesaus Gold. Beim Beginn des Jahres 1876, dem Termin des Inkrafttretensder Reichswährung, machte das Goldgeld etwa die Hälfte des gesamtenMetallgeldes aus. Zur Zeit, als die Münzreform durch die vorzeitigeEinstellung der Silberverkäufe einen unvorhergesehenen Abschluß fand(im Frühjahr 1879), kamen von dem gesamten deutschen Metallgeldbestandmehr als 60°/o auf das Gold — eine Zusammensetzung, welche an sichnoch keineswegs befriedigend war, welche aber, da eine wesentliche Ver-mehrung des Silbergeldes uicht stattfinden konnte, während der weiterenEntwickelung des Goldumlaufs kein Hindernis entgegenstand, für die Zu-kunft keine Verschlechterung, sondern eine allmähliche Verbesserung in Aus-sicht stellte.
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