Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
417
Einzelbild herunterladen
 

417

Berliner Münze kein Silber mehr annahm. In Rücksicht ans ihre tech-nische Leistungsfähigkeit waren dann die übrigen Prägeanstalten, soweitsie überhaupt Silber von Privaten ankauften, genötigt, den größten Teildes ihueu angebotenen Silbers zurückzuweisen, und damit waren siegleichzeitig in Stand gesetzt, für das Quantum, welches sie ankauften,niedrigere Preise als bisher zu bedingen. Selbst bei einer Fortdauerdes Silberankaufes seitens der Münzstätten konnte also dnrch die all-mähliche Herabdrückung des von den Münzen bewilligten Ankaufspreises,der gesetzlich nirgends festgelegt war, das feste Verhältnis zwischen demSilberwert und der deutschen Valuta erheblich gelockert werden.

Diese Lockerung fand in gewissem Maße bereits statt, ehe die Berliner Münze die weitere Annahme von Silber verweigerte.

Als der Friede zustande kam, als überall in Deutschland neue Unter-nehmungslust erwachte und der Geldbedarf sich steigerte, als die Voraus-sicht der großen Zahlungen, die Frankreich an Deutschland zu leisten hatte,eine große Nachfrage nach Zahlungsmitteln für Deutschland hervorrief,wurdeu der Berliner Münze immer größere Mengen von Silber zur Aus-münzung eingeliefert.

Das Silber kam zum größten Teil aus dem Ausland als Gegen-wert für die auf Deutschland zu ziehenden Wechsel, welche der französischen Negieruug verkauft und von dieser der Reichsregierung in Zahlung ge-geben werden sollten.

Die Silberausfuhr Englands nach Deutschland erreichte im Jahre1871 die Höhe von 3.092.200 F, während sie im Jahre 1870 nur707.400 K betragen hatte und sich bereits im Jahre 1872 wieder aus1.246.300, 1873 gar auf 280.000 F verminderte. Allein im zweitenQuartal 1871 wurden für 1.896.746 F Silber von England nachDeutschland exportiert.

Die Berliner Münze zog aus dem gewaltigen Andrang von SilberNutzen, indem sie ihren Ankaufspreis herabsetzte. Während sie zu Anfangdes Jahres 1871 für das Pfund fein 29 Thaler 26 Silbergroschenzahlte, setzte sie ihren Preis im Mai ans 29 Thaler 24 Silbergroscheu,im Juni auf 29 Thaler 23 Silbergroschen herab. Sie erhöhte also denSchlagschatz von 4 Silbergroschen auf das Pfund Feinsilber °/a) auf7 Silbergroschen ( ^/» °/u). Die Folge war, daß der Wert des geprägtenThalers im Verhältnis zu seinem Silbergehalt und zu den ausländischenValuten um 3 Silbergroschen (-^ °/o) höher steigen konnte als bisher.

Diese Steigerung der Valuta trat in der That ein. Dem Silber

Hclfscrich, Beiträge zur Geldreform. 27