Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
416
Einzelbild herunterladen
 

410

Die Bewegungen des Geldwesens innerhalb dieser Grenzen werdenhauptsächlich beherrscht durch die internationale Nachfrage nach Zahlungs-mitteln für das betreffende Land, und diese Nachfrage beruht ihrerseitsauf der Gestaltuug der Zahlungsbilanz.

Wir wissen, daß die deutsche Zahlungsbilanz vor der Münzreformim allgemeinen eine günstige war, daß die Wechselkurse auf das Auslandüberwiegend günstig für Deutschland standen, und daß Deutschland inden meisten Jahren einen Überschuß von Edelmetall aus dem Auslandan sich zog ^.

Diese Verhältnisse mußten die Festlegung des deutschen Geldwertesauf seine zukünftige Goldparität auch für den als wahrscheinlich voraus-gesehenen Fall erleichtern, daß sich nach der Münzreform das Silber imVerhältnis zum Gold mehr oder weniger entwertete, und daß sich alsoeine Differenz zwischen dem Silbergehalt des Thalers und dem Gold-gehalt von drei Mark herausbildete.

Von weit größerer Tragweite als diese dauernden Verhältnisse warjedoch für die Durchführung des Währungswechsels die Thatsache , daßdie französische Kriegskosten-Entschädigung eine überaus starke Nachfragenach deutschen Zahlungsmitteln schuf. Diese ungewöhnliche Nachfragemußte einen starken Druck nach oben aus die deutsche Valuta ausüben.Sie mußte, solange die Silberprägung frei war, die deutsche Valuta bisauf die Einfuhrpunkte für Silber nach Deutschland steigern, und siemußte, sobald die freie Silberprägung aufhörte, eine wesentliche Steige-rung des deutschen Goldwertes über seine ursprüngliche Silberparitätherbeiführen, solange nicht durch die Freigabe der Goldprägung odereine in ihrer Wirkung ähnliche Maßregel diesem Steigen eine Grenze ge-setzt wurde.

Durch die französische Kriegskosten-Entschädigung war also mit derdenkbar größten Sicherheit der Erfolg einer Einstellung der freien Silber-prägung garantiert.

Nun handelte es sich in Deutschland nicht lim eine einzige Münz-stätte, sondern um eine Vielheit, da ja alle wichtigen Einzelstaaten vonihrem Prägerecht Gebrauch machten. Die Berliner Münzstätte war je-doch allen andern an Leistungsfähigkeit weit überlegen. Ein großer An-drang von Silber konnte von den übrigen Münzstätten unmöglich be-wältigt werden. Ein solcher Andrang mußte aber entstehen, sobald die

» Siehe Teil ll Abschnitt V.