Die Goldwährung als Ziel der deutschen Münzreform bedeutetenicht nur eine Änderung in der Zusammensetzung des deutschen Geld-umlaufs, sondern auch die Lostrennung des deutschen Geldwertes vomSilber und seine Verknüpfung mit dem Golde.
Würden die Bewegungen des Geldwertes ausschließlich von der Zu-sammensetzung des Geldumlaufs abhängen, dann hätte die deutsche Valutaerst im Laufe der vielen Jahre, welche zur Uniwandlung des deutschenSilberumlaufs in einen Goldumlauf uotwendig waren, mit dem Goldeverbunden werden können. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat unsjedoch gezeigt, daß auch Länder mit überwiegendem, ja fast ausschließlichemSilberumlauf eine „Goldvaluta" aufrecht erhalten können. Voraussetzungdafür ist, daß die Prägung von Silber beschränkt oder gänzlich gesperrtist, und daß freies Prägerecht für Gold in irgend einer Form besteht.
Sind diese Voraussetzungen erfüllt, dann kann wohl auch bei über-wiegendem Silberumlaus der Wert des Geldes in fester Beziehung zumGolde stehen, aber das muß nicht der Fall sein. Die Thatsache , daß derUmlauf vorwiegend aus Silbermünzen besteht, für welche im Bedarfsfallnicht unbedingt und jeder Zeit Goldmünzen im gleichen Nennwert zu er-halten sind, schafft die Möglichkeit, daß der Wert des Geldes bis aufden Wert seines Silbergehaltes heräbsinkt. Die Verfassung des Geld-wesens ermöglicht hier also Schwankungen des Geldwertes zwischen demthatsächlichen Silbergehalt des umlaufenden Geldes und der ihm bei-gelegten Goldparität.