Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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Im Mai lind Juni stellte sich die Differenz zu Gunsten Deutschlands durchschnittlich aus 1^/4 Silbergroschen.

Um die Mitte die Jahres 1871 trat nun eine entscheidende Wendungein. Vom 3. Juli ab gab die Berliuer Münzstätte nicht mehr den Silber-preis bekannt, zu welchem sie bereit war, Barren anznkanfen. Der enormeZuslnß von Silber erregte bei der preußischen Regierung, welche sichbereits seit längerer Zeit mit dein Gedanken des Übergangs zur Gold-währung trug, ernste Bedenken. Es erschien unklug, eine starke Ver-mehrung des Silberumlaufs zu dulden, während man an die Umwand-lung des deutschen Silberumlaufs iu einen Goldumlauf dachte. Aus demBestreben, eine weitere Vermehrung des Silberumlaufs zu verhinderu,nicht etwa ans der Absicht, die deutsche Valuta von ihrer bisherigenSilberbasis und von der durch diese gegebene Verbindung mit den aus-ländischen Valuten loszulöseu, ging die Einstellung des Silberankaufsder Berliner Münze hervor, eine Maßregel, welche in Anbetracht dergeringen Leistungsfähigkeit der übrigen deutschen Münzstätten die Ein-Einstellung der freien Silberprägung bedeutete.

Die Preußische Bank ging sofort in derselben Richtung vor. DiesesInstitut hatte bisher, ohne durch eine gesetzliche Bestimmung dazu ver-pflichtet zu sein, Silberbarren angekauft, und zwar in der Regel zu29 Thaler 26 Silbergroschen für das feine Pfund. Sie folgte nnnmehrden Maßregeln der Berliner Münze und von der Mitte des Jahres 1871an wies sie jedes Angebot von Silberbarren zurück.

Der Mangel eines einheitlichen Vorgehens der deutschen Staaten inder wichtigen Angelegenheit der Aussperrung des Silbers läßt die Frageentstehen, ob sich nicht Unterschiede in dem Geldwert der einzelnen deutschenSysteme fühlbar machten.

Diese Gefahr war innerhalb des Münzvereins ausgeschlossen, da dieVereinsthaler ohne Rücksicht auf ihre Herkunft eine einheitliche Massebildeten und die Ausmünzung der Münzen der Guldenwähruug ohnehinschon eine sehr beschränkte war. Die meisten Systeme außerhalb desMünzvereins waren so eng mit der Thalerwährung verknüpft, daß einAuseinanderfallen infolge des isolierten Vorgehens der Berliner Münzeunmöglich war. Die Bremer Goldwährung hatte bereits vor der Ein-stellung der freien Prägung für Silber in Berlin keine feste Beziehungzur Thalerwährnng. Nnr im Verhältnis zur Hamburger Bankwährungkonnte sich eine Valnta-Differenz herausbilden.

Für die Hamburger Bankwährung bestand nach wie vor ein der

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