Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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freien Silberprägung entsprechendes System. Feinsilber in Barren konntein beliebigen Mengen gegen die bisherige geringe Gebühr in die Bankeingebracht und dadurch in Bankogeld verwandelt werden. Solange hierkeine Änderung geschaffen wnrde, war eine Trennung der Vankvalutavon dem Silberwert unmöglich; sobald sich die deutsche Valuta über ihrenSilberwert erhob, mußte hier also eine Valuta-Differenz entstehen.

Die durch die Einstellung der freien Silberprägung in Berlin ge-gebene Möglichkeit mußte unter dem Druck der bereits geschildertenVerhältnisse sofort znr Wirklichkeit werden. Dadurch, daß Deutschland in dem Augenblick der stärksten Nachfrage nach deutscheu Zahlungsmittelndie Möglichkeit der Herstellung deutscher Zahlungsmittel aus dem bis-herigen Währungsmetall aufs äußerste beschränkte, ohne gleichzeitig diePrägung von Gold freizugeben oder eine andere Möglichkeit der unm'ttel-baren Beschaffung von deutschem Geld zu gewähren, mußte die deutsche Valuta stark in die Höhe getrieben werden. Das Ausland sah sich seineswichtigsten Mittels zur Nemittierung nach Deutschland ohne jeden Ersatzberaubt. Wohl blieb die Möglichkeit, fremde Gold- und Silbermünzen,welche damals in Deutschland gegeben und genommen wurden, zur Deckungvon deutschen Forderungen »ach Deutschland zu senden; aber das Aus-land erhielt für diese Sorten ebensowenig wie für Edelmetall-Barrenund für Wertpapiere einen festen Preis. Rimessen dieser Art konntendeshalb eine wesentliche Steigerung der deutschen Valuta nicht verhindern.

Die Trennung der deutschen Valuta vom Silber zeigt sich amdeutlichsten iu der Bewegung des Kurses der Thaler in Hamburg . DieParität der Hamburger Bankowährung und der Thalerwähruug war300 Mark Banko ^ 151 "/l<-Thaler. Seit 1867 hatte sich der jährlicheDurchschuittskurs des Thalers um wenige Tausendteile unter der Paritätgehalteu, d. h. die Thaler warm in Hamburger Baukvaluta um einigeTausendteile mehr wert, als ihrem Silbergehalt entsprach. Im Jahre 1870war der durchschnittliche Thalerkurs in Hamburg bereits 150^/i« Thalerfür 300 Mark Banko.

Im Jahre 1871 trat ein wesentliches Steigen des Thalerwertes ein.Nach der Einstellung der Silberankäufe seitens der Berliner Münze gingder Hamburger Thalerkurs bis auf 147^/s Thaler für 300 Mark Banko,die Abweichung von der Parität betrug also 4'/i« Thaler oder °/o.Bei der Beschaffenheit der Hamburger Bankvaluta stellt dieser Prozent-satz gleichzeitig die Abweichung der deutschen Valuta von ihrer gesetz-lichen Silberparität dar.