— 440 —
Die volle Erklärung liegt in einer höchst bedeutungsvollen bank-politischen Änderung.
Die Preußische Bank hatte, wie alle übrigen deutschen Zettelbanken,während der kritischen Periode der deutschen Valuta die Herausgabe vonGold verweigert. Die Folge war, daß, während ihr gesamter Metall-vorrat sich verringerte, ihr Goldvorrat in der Zeit der Goldexporte nichtnur keine Abnahme, sondern sogar eine kleine Zunahme zeigte. Folgendedem Verfasser auf Wunsch mitgeteilte Zahlen geben einen Überblick.
MetallvorratMillionen Mark
Goldvorrat
Datum
Millionen Mark
»/»
des Metallvorrats
7. Januar 1874
704,0
476,4
67,7
7. Juli 1874
710,0
481,8
67,8
7. Januar 187S
609,2
494,S
81,0
7. Juli 187S
S84.3
49S,0
84,7
Niemals später zeigte der Metallbestand der Reichsbank eine ähnlichgünstige Zusammensetzung wie in der ersten Hälfte des Jahres 1875,während der Zeit der Valutakrisis! Anfang Juli 1875 waren in derBank nicht ganz 90 Millionen Mark in Landessilbermünzen und Scheide-münzen vorhanden. Aber der günstige Stand der als Centralbank inAussicht genommenen Preußischen Bank konnte solange keine Wirkung aufdie deutsche Valuta ausüben, als die Bank nur in Silbergeld zahlte.
Man kann über die Zweckmäßigkeit dieses Verhaltens der PreußischenBank streiten. Hätte sie bereits vom Jahre 1874 ab in Gold gezahlt,dann hätte sich ihr Goldvorrat während der Valutakrisis mit aller Sicher-heit sehr bedeutend verringert. Solange sie bei den Goldzahlungen ge-blieben wäre, hätte die deutsche Valuta nicht unter ihre Goldparitätsinken können; aber es ist fraglich, wie lange die Preußische Bank dieGoldzahlungen hätte aufrecht erhalteil können.
Vom Juli 1875 fing nun die Preußische Bank an, auf Verlangenihre Zahlungen in Gold zu leisten ^; und obwohl bis auf den heutigenTag die Thaler gesetzliches Zahlungsmittel bis zu jedem Betrag sind, hatseit jenem Termin die Preußische Bank und späterhin die Reichsbank