Druckschrift 
Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
357
Einzelbild herunterladen
 

357

Schaffung des einen Münzmetalls, des Goldes, weil man seinestarke künftige Entwertung befürchtete. Aber indem diesemVorgang andere Thatsachen bald widersprechender, bald be-stätigender Art nachfolgten, und die ohnehin in Gärung befind-liche Wissenschaft durch alle diese konträren Bewegungen nochmehr aufgerüttelt wurde, entwickelte sich aus dem gleichzeitigenäusseren und inneren Prozess diejenige Gedankenarbeit, derallein es zuzuschreiben ist, dass zum erstenmal in historischenZeiten grundsätzlich und auch praktisch vor der ganzen zivili-sierten Welt die Frage aufgeworfen wurde: ob vernünftigerweisedie beiden Edelmetalle gleichberechtigt nebeneinander als Münzezu brauchen seien. Auf jedem Flecke civilisierter Erde, aufwelchem die beiden Metalle sich einander reiben, entbrennt stetshitziger der Streit: ob nicht das eine dem anderen weichenmüsse, und in derselben Minute, in welcher dies Muss entschieden,ist auch die Frage, welches von beiden als das schwächere demanderen zu weichen habe, gelöst. Wie lange die asiatischenVölker, welche, tausendjähriger Uberlieferung gehorchend, imwesentlichen noch mit der einfachen Silberwährung leben, sichbei dieser beruhigen wollten und würden, wenn einmal dieherrschenden Handelsnationen das Silber zur Scheidemünze de-gradiert hätten, auch das wäre höchst wahrscheinlich nur eineFrage der Zeit. Hauptsache ist und bleibt, dass der Widersinneiner Münzverfassung, welche das Unmögliche möglich machenwill, an der Wirklichkeit zerschellt und vor dem Verstände ent-larvt ist. Zwei Materien ihr gegenseitiges Wertverhältnis füralle Zukunft vorschreiben wollen, obgleich die wertbestimmendenFaktoren bei zweierlei Dingen sich von selbst verschieden ge-stalten und daher ein stets wechselndes Verhältnis zur Folgehaben müssen, das ist ein Verkennen der Grenze, welche demmenschlichen Können von der Natur der Dinge gezogen ist.Die Geschichte der wirtschaftlichen und insbesondere der Münz-gesetzgebung ist die eines fortwährenden Kampfes zwischen demGesetzgeber und dem sich gegen seine künstlichen Vorschriftenempörenden Gang der Weltgeschäfte. So oft hier die Naturder Dinge obsiegt, so oft siegt der Fortschritt. Und wir sindjetzt an dem grossen Wendepunkt angelangt, in welchem, waslange vorbereitet war, unwiderstehlich zum Durchbruch kommt.Eine Veste nach der anderen streckt die Waffen, der hart-