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Reichstagsreden 1920 - 1922 : mit einem Anhang: Reden vom 12. und 14. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung / von Dr. Helfferich
Entstehung
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Hergt hier schon festgestellt hat: Auch, nachdem die Herren Mehr-heitssozialisten in so kategorischer Form abgelehnt haben, sichan irgendeiner Regierungsbildung zu beteiligen, haben dieanderen Parteien, die heute die Koalition darstellen, sich fortgesetztund immer wieder umdieMitwirkungder M e hrheits -sozialdemokraten in der stärksten Weise bemüht. HerrSchiffer hat es sich verbeten, daß man das als ..Liebeswerben"bezeichnet. Nehmen Sie es mir nicht übel, Herr AbgeordneterSchiffer, ich habe dabei an die Geschichte von der Lehrerin in einerHöheren Töchterschule gedacht, von der erzählt wird, sie habe inder Literaturgeschichte vonKabale und Neigung" gesprochen,statt von ..Kabale und Liebe". (Heiterkeit. Sehr gut! bei denDeutschnationalen. Zuruf von den Sozialdemokraten: Au! So7ldas ein Witz sein? Heiterkeit.)

Zn der Sache sind wir wohl einig, und zwar um so mehr, alsHerr Schiffer selbst erklärt hat, die Koalition beruhe auf der Vor-ausfetzung, daß die Sozialdemokratie, auch wenn sie draußen bleibt,die Regierung positiv unterstützt. Ja, glauben Sie denn, daß dieseUnterstützung umsonst sein wird? Zn meiner Heimat in der Pfalz,gibt es ein Sprichwort. Da sagt man: ..Umsonst ist der Tod, undder kostet das Leben". (Heiterkeit.)

Denn, daß die Sozialdemokraten sich ihre Unterstützung be-zahlen lassen werden, auch wenn sie draußen sind, und doppelt be-zahlen lassen werden, gerade wenn sie draußen sind, ich glaube,dafür liegen gewisse Erfahrungen vor. (Zuruf von den Sozialde-mokraten: Wollen Sie es umsonst machen? Heiterkeit links.)

Denken Sie an das Kabinett Hertling, bei dem die Sozial-demokraten sich weigerten, einzutreten, und Zhren Fraktionsfreund(zu den Deutschen Demokraten) Herrn v. Payer als ihren Ver-treter hineingeschickt haben. Denken Sie an die Schwierigkeiten,die sich daraus ergaben, und denken Sie an die Auseinander-setzung, die sich dann hier in diesem Hause zwischen Herrn v. Payerund dem damaligen Führer der sozialdemokratischen Fraktion,Herrn Scheidemann, über dieses Verhalten entsponnen hat.

Herr Trimborn (Der Abgeordnete Trimborn erhebt sichvon seinem Platz große Heiterkeit.) Herr Trimborn ist nicht soweit gegangen wie Herr Schiffer. Aber Herr Trimborn hat, wennich ihn recht verstanden habe, sich dahin ausgesprochen, die Sozi-

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