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Reichstagsreden 1920 - 1922 : mit einem Anhang: Reden vom 12. und 14. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung / von Dr. Helfferich
Entstehung
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waren eingeführt werden sollen. (Hört! Hört! bei den Deutsch -nationalen.)

Daß heißt auch, das Pferd am Schwänze aufzäumen. Wennwir jetzt vor Arbeitslosigkeit stehen und ich meine, darin könnenSie (zu den Anabhängigen Sozialdemokraten) mir ausnahmsweisezustimmen, so muß dafür gesorgt werden, daß Rohprodukte ein-geführt werden, nicht Fabrikate) es muß dafür gesorgt werden,daß die deutschen Arbeiter Arbeit bekommen, nicht das Ausland.(Zuruf von den Unabhängigen Sozialdemokraten: Sobald Sie fürdie Sache eintreten, ist sie diskreditiert! Unruhe.)

Ich fasse mich über das Wirtschaftliche dahin zusammen: das,was wir zunächst brauchen, um wieder hochzukommen, ist die Ein-sicht in unsere furchtbare Lage, die Einsicht in die Notwendigkeiten,die sich aus dieser furchtbaren Lage ergeben, auch bei den Arbeiter-mafsen und gerade bei den Arbeitermassen, und auf dieser Grund-läge die Steigerung der Arbeitswilligkeit. Das ist weiter die Nutz-barmachung jeder technischen Möglichkeit, die Ergiebigkeit derArbeit zu steigern. Ferner die tunlichste Verbesserung unserer ge-samten volkswirtschaftlichen Organisation im Sinne der Verringe-rung der Kosten der Gütererzeugung und -Verteilung. Das istschließlich die Freiheit der Betätigung und namentlich der Initia-tive des Unternehmungsgeistes, die allein den Motor unsererWirtschaft wieder in normalen Gang setzen kann. (Lachen undZuruf bei den Unabhängigen Sozialdemokraten: Dividende!)

Die Dividende ist mir gleichgültig. Die kommt noch langenicht! Zuerst kommt die Erhaltung des deutschen Volkes,dann kommt noch lange nichts, und dann kommt die Dividende.(Sehr richtig! bei den Deutschnationalen. Zuruf von den Unab-hängigen Sozialdemokraten: Wenn es keine Dividende gibt, dannliegen die Betriebe still! Weiterer Zuruf von den UnabhängigenSozialdemokraken: Sie wollen Ihre Dividenden!)

Was wissen Sie davon? Ich bin aus dem Reichsdienst ge-gangen mit einem Vermögen, das fast ausschließlich aus deutscherKriegsanleihe bestanden hat, und das geringer war als das Ver-mögen, mit dem ich in den Reichsdienst hineingegangen bin, HerrDittmann! (Hört! Hört! bei den Deutschnationalen: Zuruf vonden Deutschnationalen: Was versteht Dittmann davon?)

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