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Reichstagsreden 1920 - 1922 : mit einem Anhang: Reden vom 12. und 14. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung / von Dr. Helfferich
Entstehung
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lassenden kann die Steuer gehen bis zu 9t> Prozent. Zch Wieder-hole: die wenigsten in Deutschland haben begriffen, was das be-deutet. Es bedeutet in Verbindung mit dem Nokopfer, in Ver-bindung mit der Kriegsvermögenszuwachssteuer eine völlige Zer-malmung der größeren Vermögen, einen tödlichen Schlag für diemittleren und eine schwere Beeinträchtigung für die kleineren Ver-mögen. Das mag man begrüßen, wenn man, wie die Herrschaftenaus der äußersten Linken, auf dem Boden der kommunistischen Weltanschauung steht, wenn man das Privateigentum mit Stumpfund Stiel ausrotten will. Wer aber in dem Privateigentum dieGrundlage einer jeden entwicklungsfähigen Wirtschaftsordnungsieht, der kann dieser Sozialisierung auf dem Steuerwege nur mitden allerschwersten Sorgen entgegensehen. (Zuruf bei den Sozial-demokraten: Und was haben Sie für Mittel?)

Nun nehmen Sie dazu noch die Einkommensteuer,die bis zu 6l) Prozent durchgestaffelt ist, die Stempelsteuern, dieUmsatzsteuer, dann haben Sie eine Häufung ich sage absichtlichnicht ein System, eine Häufung von Steuern auf Besitz undEinkommen, die in der Welt nirgends ihresgleichen hat, eineHäufung, die einer Steigerung mit irgendwie erheblichen, auchnur momentanen Mehrerträgnissen nicht fähig ist, eine Häufungvon Steuern, die, sobald es irgendmöglich ist, einen Abbau ver-langt, wenn anders nicht durch die Steuern ein fortgesetzt größererTeil unseres nationalen Kapitals aufgezehrt werden soll.

And, meine Damen und Herren, was haben wir mit diesergigantischen, unsere Kraft bereits weit übersteigenden Anspannungerreicht? Nicht einmal die Deckung der Ausgaben unseres ordent-lichen Haushalts, geschweige denn die Deckung der außerordent-lichen Ausgaben für den inneren Bedarf, erst recht nicht dieDeckung von 18 Milliarden Defizit für unsere Staatsbetriebe.Wie sollen wir da jemals aus Steuern und Abgaben die noch vielgrößeren Lasten des Friedensvertrages decken können?Wir stehen vor einer baren und blanken Anmöglich-k eik.

Und diese finanzielle Anmöglichkeit des Friedensvertrages istja nur ein Spiegelbild der

wirtschaftlichen Anmöglichkeit der Erfüllung des Friedensvertrages.(Sehr richtig! rechts.)

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