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Reichstagsreden 1920 - 1922 : mit einem Anhang: Reden vom 12. und 14. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung / von Dr. Helfferich
Entstehung
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in technischer und finanzieller Beziehung zu prüfen, damit wirKlarheit bekommen. Wir wissen noch nicht, was von den18 Milliarden auf das sogenannte Retablissementskonto derEisenbahnen kommt. Ich habe mich vergeblich bemüht, ein klaresBild darüber zu bekommen. Der Vertreter des Reichsverkehrs-ministers hat geantwortet, daß von den 18 Milliarden wenn ichmich recht erinnere etwa 4 bis 5 Milliarden auf das Retablisse-mentskonto kämen? aber wie gesagt, wir sehen nicht klar. Ichglaube, es wäre am Platze gewesen, dem Antrage, den wir gestellthaben, sofort Folge zu geben. Es sind inzwischen Monate vcrgan-gen, und heute zum erstenmal tritt diese Kommission zusammen.Etwas mehr Eile wäre nach meiner Ansicht in diesem Punkte ent-schieden geboten gewesen.

Ich kann nun aus den Ausführungen des Herrn Reichsfinanz-Ministers nicht das Vertrauen gewinnen, daß er dieser so überauswichtigen Frage, die über das Schicksal unserer Finanzen ent-scheidet, mit der vollen Objektivität gegenübersteht, die wir wün-sehen müßten. Ich habe aus seinen Ausführungen einen Gegenstoßherausgehört, den er gegen die deutsche Schwerin du st riezu führen versuchte. Er hat im Tone des Borwurfs darauf hinge-wiesen, daß die Preise für Kohlen auf das 21 fache, der Schienenauf das 27^ fache, der Schwellen, glaube ich, aus das 29V- fachegestiegen sind. Ich nehme an, daß es dem Herrn Reichsministerder Finanzen doch wohl auch nicht unbekannt ist, was im Reichs-Wirtschaftsministerium vorgeht: es ist ihm also wohl nicht unbe-kannt, daß die Schwerindustrie nicht aus eigener Machtvoll-kommenheit die Preise so heraufgesetzt hat. Unter der Mitwir-kung der Regierung ist doch ein Selbstverwaltungskörper gebildetworden, der in bezug auf die Preisfestsetzung maßgebend ist. Indiesem Selbstverwaltungskörper sind Erzeuger, Händler und Ber-braucher, und unter den Erzeugern Arbeitgeber und Arbeitnehmerparitätisch vertreten. Dieser Selbstverwaltungskörper, der für dieFestsetzung der Preise maßgebend ist, sieht unter der Kontrolle unddem Einfluß des Herrn Reichswirtschaftsministers. Ohne Mit-wirkung des Reichswirtschaftsministeriums hätten also solche Preis-erhöhungen gar nicht zustande kommen können. Sie müssen alsodoch wohl als notwendig anerkannt worden sein.

Meine Damen und Herren! So hoch aber auch die Mehrauf-

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