Ich bin der erste, der anerkennt, daß man für den Reichshaushalts-etat mit festen Zahlen rechnen muß. Aber das allerschlimmste isteine neue feste Verpflichtung, die wir nicht erfüllen können, eineneue Unterschrift, die wir nicht honorieren können. (Sehr richtig!rechts.)
Meine Damen und Herren! Der Engländer K e y n e s, denich wiederholt zitiert habe, schreibt über die Bestimmungendes Friedensvertrags:
Diese Bestimmungen ziehen Deutschland Zahr für Jahr insAnendliche bei lebendigem Leib die Haut ab. So geschicktund umsichtig diese Operation auch ausgeführt werden magund mit welcher Rückficht dabei das Leben des Patientenbehandelt werden mag, ist das eine Politik, die das Urteilder Welt bald für eine der scheußlichsten Handlungen er-klären wird, die grausame Sieger in der Geschichte derKulturwelt jemals begangen haben.
(Hört!' Hört! rechts.)
Welche deutsche Verwaltung wird sich zum Helfershelfer, jaich sage zum Henkersknecht dieser scheußlichsten Politik, die nachdem Urteil dieses Engländers jemals in der Weltgeschichte begangenworden ist, hergeben? (Sehr gut! rechts.)
Zch komme nunmehr zu unseren
inneren Sorgen.
Der Fehlbetrag von 18 Milliarden bei den Reichseisenbahnenist geradezu ein Skandal. Auch der Herr Reichsfinanzminister hatproklamiert: „Es geht nicht an, daß solche Fehlbeträge noch längergeduldet werden." Das sind die Worte des Reichsfinanzministers.Sie fragen mich, was ich vorschlage. Zch frage den Herrn Reichs-finanzminister, was er getan hat, um das Wachsen der Fehlbeträgezu verhindern. Er ist doch Träger der Verantwortung! (Zurufvon den Sozialdemokraken: Das find die Folgen des Krieges!)
Darauf komme ich noch. — Meine Parteifreunde haben ausAnlaß der Situation der Eisenbahnen, die sich immer mehrverschlimmert hat, bei der Beratung des sogenannten Notetats denAntrag gestellt, es möge eine Kommission aus Abgeordneten undSachverständigen eingesetzt werden, um die Lage der Eisenbahnen
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