einmal nach, ob von dieser Anmerkung irgendwo die Rede ist. Siefehlt, und wer diese Zahlen nun liest, muß zu dem Eindruck kommen,unsere Handelsbilanz ist im Begriff aktiv zu werden.Es sind nicht nur die sogenannten „Wiedergutmachungen", dieAusfuhren für das Wiederherstellungskonto, nicht abgesetzt worden;der größte Fehler ist, daß die Einfuhrwaren, bei denen eine Wert-deklaration nicht notwendig ist, mit viel zu geringen Werten ein-gesetzt sind, daß die Einfuhrwerte ein wohl Vielfaches der Zahlenbetragen haben, mit denen Sie operieren. Das müßte eigentlichjeder Laie wissen, daß die Dinge sich so verhalten; und da kommtein Mann in amtlicher Stellung, der Staatssekretär Hirsch vomReichswirtschaftsministerium, und erklärt, Zeitungsnachrichten zu-folge, am 26. Zum im Reichswirtschaftsrat: das Gleichgewicht zwi-schen Ein- und Ausfuhr sei bereits nahezu erreicht; nach der Außen-handelsstatistik habe im Monat Mai 1920 einer Einfuhr von4 Milliarden Mark eine Ausfuhr von ebenfalls 4 Milliarden Markgegenübergestanden. (Hört! Hört! rechts.)
Da haben Sie von einer amtlichen Stelle ohne Einschränkungdie Behauptung, daß unsere Zahlungsbilanz im Begriffe siehe, wie-der aktiv zu werden. Ich frage: was soll dieser Unfug?
Ich muß an die Herren von der Regierung den Appell richten:haben Sie doch endlich den Mut, die Dinge zu sehen, wie sie inWirklichkeit sind, und daraus die einzig mögliche Folgerung fürdas deutsche Volk und die Entente zu ziehen! Die Dinge liegen so,daß wir Jahre der Erholung brauchen, ehe wir wieder aus eigenenFüßen stehen und arbeitsfähig sind. Wir werden für Jahre Kreditbrauchen, Kredit, den allerdings nicht das Reich, sondern nur unsereprivaten Unternehmungen bekommen werden. Zahlungen könnenwir für die Wiederherstellung nicht leisten, es sei denn auf Kostenunseres Lebens und unserer Freiheit. (Sehr richtig! rechts.)
Suchen Sie eine Grundlage für eine Verständigung, wie durchgemeinsame Leistungen dem gemeinsamen Uebel und dergemeinsamen Not, die ja — ich erkenne das an — auch auf anderenStaaten lastet, abgeholfen werden kann; eine Verständigung, dieuns aber zuerst die Möglichkeit von Leistungen schaffen muß. Nurauf einer solchen Grundlage ist eine Einigung möglich. Wenn Siein Genf über eine feste Summe verhandeln, dann unterschreibenSie, bitte, nicht wieder etwas, was Sie nicht durchführen können!
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