II.
Reüe vom 4. November 1920.
Abrechnung mit der Linken. — Entwaffnung und Zerstörung derDieselmotoren. — Reichshaushalt 192V. — Staatsbankrott undBolksbankrott. — Friedensvertrag und Steuerkraft. — Rezepteaus der russischen Apotheke. — Klassenkampf und Sozialisierung
der Gesinnung.
Vorbemer k u n g.
Auf der Tagesordnung stand die Fortsetzung der am 27. Oktoberdurch eine Rede des Reichskanzlers Fehrenbach und des Reichsfinanz-ministers Dr. Wirth eingeleitete erste Beratung des Reichs-haushaltsplanes für 1920, die im weiteren Verlauf mit derBesprechung von Interpellationen über die Entwaffnung derBevölkerung und über die von der Entente angeordnete Ver-nichtung von Dieselmotoren verbunden worden war.
Auf der Konferenz von Spaa im Juli 1320 hatte die deutscheRegierung in der Entwaffnungsfrage und Kohlenfrage unter demDruck der Drohung des Einmarsches alliierter Truppen in das Ruhr-gebiet die weitestgehenden Zugeständnisse gemacht. Man hatte gehasst,durch diese Zugeständnisse eine günstige „Atmosphäre" für die Regelungder gleichfalls auf der Tagesordnung stehenden „Reparationsfrage" zuschaffen. Aber die Konferenz von Spaa ging auseinander, ohne sichmit der „Reparationsfrage" überhaupt zu befassen. Die für dieBeratung dieser Frage in Aussicht genommene besondere Konferenz,die in Genf stattfinden sollte, wurde von Monat zu Monat verschoben.Erst im Herbst kam es zu einer vom Völkerbund einberufenen Finanz-konferenz in Brüssel , die jedoch das eigentliche Reparationsthema nichterörtern durfte. So blieb die für die Reichsfinanzen wichtigste Fragein einem unerträglichen Schwebezustand, den der Reichsminister desAuswärtigen Or. Simons am 29. Oktober im Reichstag zutreffend mitden Worten charakterisierte!
„Bis wir dahin (zu einer Verständigung in der Reparations-frage) kommen, ist jedes Budget, das in Deutschland aufgestelltwird, unmöglich."