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Reichstagsreden 1920 - 1922 : mit einem Anhang: Reden vom 12. und 14. November 1919 vor dem Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung / von Dr. Helfferich
Entstehung
Seite
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ist nahe beginnt für das deutsche Volk das Weißbluten.(Lebhaste Zustimmung rechts.)

Diese verzweifelte Lage muß dem deutschen Volke, das immernoch nicht sein Schicksal begriffen hat, vor Augen gehalten werden;sie muß aber auch der Welt, unseren Freunden draußen wie unserenFeinden, mit allem Nachdruck vor Augen gestellt werden: dennauch die Welt hat noch nicht begriffen, wie es. um uns steht.

Was tut nun aber unsere Regierung? DerHerr Aeichsminister des Auswärtigen sagt, wir sollten doch auf-hören, über die Andurchführbarkeit des Friedensvertrages zuklagen, und sollten lieber seine Andurchführbarkeit beweisen,indem wir ihn auszuführen versuchen. And der Herr Reichs-finanzminister? Der Herr Reichsfinanzminister ich nehme dochan, daß Herr Staatssekretär Bergmann unter seiner, des Reichs-sinanzministers, Verantwortlichkeit und auf feine Instruktionenhin in Brüssel gehandelt hat läßt durch den Staatssekretär Berg-mann dort ein Expose vorlegen, das rosarot gefärbt ist und zu demSchlüsse kommt, daß unsere Lage nicht verzweifelt sei. Ich weißwirklich nicht, welcher Ideengang hier geherrscht hat. Ich kann mirdoch nicht denken, daß irgend jemand im Reichsfinanzministeriumsich vorgestellt haben soll, durch solches Färben unserer Reichs-bilanz sich einen Kredit vom Auslande erschleichen zu können.Davon kann keine Rede sein. Die Leute, die für eine folche Kredit-gewährung in Betracht kommen, kennen die Situation und lassensich gewiß keinen blauen Dunst vormachen. Da kommt man mitAufrichtigkeit am weitesten.

Dazu kommt die H a n d e l s st a t i st i k. Ich gehe darauf ein,weil der Herr Aeichsminister des Auswärtigen geglaubt hat, dieSache sei in Ordnung, da ja in einer Anmerkung zu der offiziellin Brüssel überreichten Statistik stehe, bei den Ausfuhrzahlen seiendie ..Wiedergutmachungen" einbegriffen. Mit solche Anmerkungenist es eine eigene Sache. Beachten Sie doch, wie die Presse vonsolchen Zahlen Gebrauch macht. Ich habe hier das ..BerlinerTageblatt", das in der Lage war, an demselben Tage, an dem dieStatistik in Brüssel vorgelegt wurde, dem Publikum und dasPublikum des ..Berliner Tageblatts" geht ja leider weit über diedeutschen Grenzen hinaus die Zahlen zu vermitteln. Sehen Sie

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