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Die Stichworte der Silberleute / Ludwig Bamberger
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Zirkulation ihren Gewinn erhöht. Eines der schlagendstenBeispiele dafür, daß ein Mangel an Metallgeld nichtexistiert, hat noch vor wenigen Monaten der französischeGeldmarkt gezeigt. Frankreich hat zur Zeit thatsächlichähnliche Geldzustände wie Deutschland und die meistenLänder außer England , nämlich freie Prägung von Goldund Ausschluß aller Silberprägung mit Ausnahme vonScheidemünze, welche nur vom Staate und von diesemthatsächlich auch kaum ausgeübt wird. Nun ist es voreinigen Monaten vorgekommen, daß die Geschäftsleute derBank von Frankreich Goldzahlungen machen wollten, nurum gegen dieses Gold einen gleichwertigen Betrag anpapiernen Noten zu erhalten, daß aber die Bank sichweigerte, dieses Gold anzunehmen, weil sie bereits so vielMetall gegen Noten eingewechselt hatte, daß die ihr vomGesetz vorgeschriebene höchste Summe von Noten erreichtwar. Buchstäblich wußten die Geschäftsleute nicht, wohinmit dem Gold, und mußten unter Opfern einen Auswegdafür finden, bis durch gesetzliche Abhilfe Luft gemachtwurde. Wenn man einwenden wollte, daß diese Erscheinungsich auf Frankreich allein beschränke, so könnte diese Be-hauptung schon dadurch widerlegt werden, daß die Gold-vorräte in den anderen zivilisierten Ländern, wenn sie nichtim Gleichgewicht zu denen Frankreichs gestanden hätten,eine bedeutende Ungleichheit des Zinsfußes in den ersterenhervorgerufen und einen Abfluß von Gold aus Frankreich in die Länder mit höherem Zinsfuß bewirkt haben würden.Dies ist aber bekanntlich nicht eingetreten. Sehen wir vonden Ländern ab, welche nicht durch ihre Münzverhältnisse,sondern durch ihr ungesundes Staatsschuldenwesen zu über-triebener Ausgabe von Papiergeld oder Banknoten verführtworden sind, so hat in allen zivilisierten Staaten in denletzten Jahren ein niedriger Zinsfuß geherrscht, ein untrüg-