Druckschrift 
Die Stichworte der Silberleute / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

- 41 -

durch Reichsgesetz vorgesehen worden ist. Diese Bestimm-ung hatte den Zustand, wie er jetzt vorliegt, ins Auge ge-faßt, daß uämlich eiu Zeitpunkt eintreten könne, in welchemnoch ein Betrag von alten Thalern vorhanden wäre, denman einerseits aus irgend welchen Gründen nicht ein-schmelzen, aber anderseits nicht mit dem Rechte, dem Goldegleichwertig als großes Zahlungsmittel zu dieneu, fort-bestehen lassen wollte. Um eiuen Ausweg aus diesemGegensatze zu finden, wurde bestmimt, daß durch Beschlußdes Bundesrats jederzeit ein solcher Rest von Thalern zurScheidemünze erklärt werden könne. Die Thaler würdendadurch im Verkehr brauchbar bleiben, jedoch nur wiedie neuen Reichssilbermünzen mit der Maßgabe, daß mehrals 20 Mark bei Zahlungen nicht aufgenötigt werdenkönnten, und daß die Reichskassen verpflichtet wären, größereBeträge in Gold umzuwechseln. Unbedenklich könnte derBundesrath jetzt von diesem Vorbehalt Gebrauch macheuund dadurch ein für allemal den von den Gegnern unsererWährung oft gebrauchten Einwand entkräften, daA wirin einer hinkenden Währung stecken geblieben seien undnoch nicht die vom Münzgesetz vorgeseheneReichsgold-währung" im vollen Sinn des Wortes besäßen. Wenndie Reichsregiernng noch nicht zn diesem Entschluß ge-kommen ist, so beruht das wahrscheinlich auf zwei Gründen,erstens auf der Einschüchterung, welche die bimetallistischeAgi-tation auf sie ausübt, mit der Wirkung u. a., daß sie gernalles vermeidet, was den Streit in besonderer Weise an-zufachen geeignet wäre, zweitens auf der hier und da gehegtenVorstellung, daß in unruhigen Zeiten von Handelskrisenund kriegerischen Verwickelungen ein Ansturm auf die Gold-vorräte der Reichsbank kommen könnte, bei dem es einpraktisches Auskunftsmittel wäre, durch die vom Gesetz nochgeschützten Thaler eine Zahlungsart zu ermöglichen, welche