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Die Stichworte der Silberleute / Ludwig Bamberger
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Das Sinlen derWarenpreise vonden Bimetallistens sälschlich der Gold-

Schuhc geschoben.

Warenpreise a»sich noch nicht iden-tisch mit wohlseilerwerdender LebenS -iuhrnng.

gänzende Zahlungsmittel sich gegen den Zustand vor 1873viel stärker vermehrt hat, als den: Anwachsen der Bevölkerungentspricht.

Allen diesen unleugbaren Thatsachen sucht mau damitentgegenzutreten, daß mau sagt, seit Verbreitung der Gold-währung in Europa seien die Preise der meisten Warenzurückgegangen, und dies sei nur aus einem Mangelan Zahlungsmitteln zu erklären. Aber bekanntlich giebtes für diese Erscheiuuug, die in der Hauptsache nicht be-strittcn wird, ganz andere und naheliegende Erklärungen, dieim wesentlichen darauf hinausgehen, daß die Verminderungteils der Herstellungskosten, teils der Transportkosten, sowiedie Erschließung neuer Produktions gebiete den unfehlbarenund auch nützlichen Ersolg haben mußten, die Preise derWaren herabzumindern.

Von dem Einfluß der Ernten und den in den letztenJahren gerade hierin gemachten Erfahrungen ist schon obendie Rede gewesen. Aber eine andere Seite der Sache solljetzt in Betracht gezogen werden. Geben wir einmal zu,daß die Mehrzahl der Waren in den letzten Jahrzehntenim Preise herabgegangen sei, und sehen wir einmal vonder Frage ab, woher das komme: Hat sich nun etwa darandie Folge geknüpft, daß die Menschen und namentlich dieweniger bemittelten Klassen mit weniger Geld auskommenals früher? Das müßte doch der Fall sein, wenn wirkliches so unbedingt wahr wäre, daß die Preise aller Dingeherabgegangen seien, uud gerade wenn eine solche Er-scheinung daraus entspränge, daß zn wenig Geld vorhandenwäre, müßte sie auch ausnahmslos ihren Preisdruck aufalle Gegenstände und auf alle Leistungen ausgeübt haben.Denn mit Geld wird alles bezahlt. Machen wir die Sachenoch handgreiflicher. Drängt sich der Mehrzahl derMenschen die Beobachtung auf, daß sie für das ein-