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Die Stichworte der Silberleute / Ludwig Bamberger
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gemeine Preissteigerungen in Folge von Geldentwertungstattfinden. Dies verhält sich so. Wenn das Geld insich weniger wert wird, aber seinen Namen wie früher be-hält, so bewegt sich der Tagelohn durchaus nicht im selbenSchritt wie die Preise der Waren. Er beruht meistens auflangem Herkommen und weit verbreiteter Gewohnheit, diesich an den Namen und die Bezeichnung des Geldes hält.Wenn der Arbeitslohn in einer Anzahl von Mark undPfennigen besteht, die seit Jahren üblich war, so veränderter sich darum noch nicht schnell nach oben, weil die Preiseder Waren in dem minderwertigen Gelde höher stehen. Etwasrascher geht die Ausgleichung schon in den Mittelpunktender Industrie vor sich, wo die Aufmerksamkeit auf solcheErscheinungen leichter hingelenkt wird und die Arbeiter untereinander sich auch leichter verständigen, um höhere Löhnezu erzielen. Dennoch wissen auch die Arbeiter der Industriesehr wohl, daß Wertvermindernngcn des Geldes ihnen langenicht so rasch zu bessereuLöhnenverhelfen als den Unternehmernund Kaufleuten zu bessereu Preisen uud haben deshalb vonjeher mitRecht gegen die Bestrebungen der GeldverschlechterungPartei ergriffen. Der kleine Landwirt vollends, der wenigoder gar keine Tagelöhner hält und nur selbst mit seinerFainilie arbeitet, hat nur den Nachteil von Geldverschlech-terungen wie von Zollerhöhungen, während umgekehrt dieGroßgrundbesitzer, die zahlreiche Arbeiter beschäftigen, vonder Entwertung des für die Arbeit gezahlten Geldeswährend der steigenden Periode einseitigen Vorteil habenwie von den Zöllen.Die angeblich- Der hier beleuchtete Zusammenhang der Dinge wird"eutfchen'"i°nd-" auch in einer gewissen Weise von den Anhängern der Silber-wirtschastiich-n währung stillschweigend zugestanden in einer Art von Be-^°Länd°^ mittelst welcher sie noch auf anderem Wege der

minderwertigem Landwirtschaft den Glauben beizubringen suchen, daß sie

Silbergeld.