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Die Stichworte der Silberleute / Ludwig Bamberger
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oder schade. Ist es doch bekannt, daß einer der hervor-ragendsten Fachmänner, der ehemalige SchatzkanzlerGoschen, seine Haltung immer darauf eingerichtet hat, dieSilberbewegung in den übrigen Staaten zn begünstigen,ohne daß England seine eigene Gesetzgebung zu verändernhabe. Wenn nun gar in dem in den letzten Tagen desReichstags eingereichten Antrag Ackermann vorgeschlagenwird, nicht bloß ohne England vorzugehen, sondern sogarohne Verbündete überhaupt in Deutschland die Doppel-währung einzuführen, welche beiläufig gesagt, Deutschland nie gehabt hat, so gehört ein solcher Gedanke in das Ge-biet der reinen Thorheit. Noch wunderlicher ist dieKlausel, welche den Antrag gegen den thörichter! Gedankenschützen soll, auf diese Weise allein vorgehen zu wollen.Um nicht den Spott über einen solchen Vorschlag heraus-zufordern, wird in den Motiven versprochen, daß dieanderen Staaten folgen werden, wenn nur Deutschland mutig vorangehe, und diese Empfehlung foll dadurchschmackhaft gemacht werden, daß zwar die Doppelwährunggesetzlich eingeführt, aber vorbehalten wird, im Verwaltungs-wege durch den Bundesrat verkünden zu lassen, wann siein Kraft treten soll. Man denke sich den Zustand einerGeldverfassung, die auf Kündigung von einem Tag zumandern steht und den Zustand der Geschäftswelt, die sichunter der Herrschaft eines solchen Gesetzes befände, das imUngewissen läßt, mit welchem Geld vielleicht morgen,vielleicht in zehn Jahren die Verbindlichkeiten erfüllt werdensollen, die nach außen und innen geschlossen werden,ein wahrer Fastnachtsscherz von einem legislativen Ge-danken; nicht zu redeu von allen schönen Nebendingen, diein diesem Gesetzentwurf und seinen Motiven für den Lieb-haber noch zu finden sind.