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Die Stichworte der Silberleute / Ludwig Bamberger
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als der Sparende berechnet hatte. Wenn die Silberleutebei uns die Geldverschlechteruug anpreisen, so geschieht esweil sie einseitig an gewisse Kategorien von Landwirtendenken, welche sich über Gebühr mit Hypotheken belastethaben, und bei Reduktion des Geldwertes einen Teil ihrerSchulden los würden. Aber nach diesem Bruchteil derBevölkerung, der lange nicht die wenigst bemittelte Klassedarstellt, kann das allgemeine Interesse wahrlich nichtgemessen werden, selbst wenn man annehmen will, daßsein Anspruch auf Schulderleichteruug gerecht wäre. Auchwürde ein großer Teil des Verlustes, den die Hypotheken-gläubiger zu tragen hätten, wiederum vou den kleinenLeuten erlitten. Denn die Hypotheken, um die es sich han-delt, sind zum großen Teil nicht etwa in den Händen ein-zelner reicher Kapitalisten, sondern dienen als Geldanlagenfür Sparkassen, Jnvalidenkassen, Versichernngskassen undPfandbriefe, auf welche Hunderttausende der unbemitteltenKlassen für die Sicherheit ihres Auskommens angewiesen sind.

Wohl wird nun schließlich auch solchen Erwägungen z>°r angeblich-gegenübergestellt, daß umgekehrt es sich ja gar nicht beidem Silber um ein im Wert gesunkenes Edelmetall han- d-,» Gläubigerdele, daß vielmehr das Gold ini Werte um die ganzeDifferenz gestiegen sei, die in den letzten zwanzig Jahrenhervorgetreten ist, und es wird daher behauptet, daß derGläubiger, sei er nun reich oder arm, welcher heuteeiue Schuld einkassiere, deren Geldwert vor zwanzigJahren festgesetzt worden sei, etwa ein Drittel mehr erhalte,als ihm zukomme. Wir haben schon oben bei der Be-sprechung der Frage nach der Preisbewegung dies be-stritten und können uns hier einfach damit begnügen, alsunzweifelhaft hiuzustellen, daß z. B. derjenige, dem vor derdeutschen Münzreform eine jährliche Pension -pon zwei-hundert Thalern in Silber ausgesetzt worden ist, ganz

verschaffe.