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Die Stichworte der Silberleute / Ludwig Bamberger
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Das angeblicheböse Beispiel,

welches Deutsch-land mit Ein-

geplanten Aenderung ebenfalls die weniger bemitteltenKlassen mehr einbüßen als bei dem gegenwärtigen Standder Dinge.

Zu den müßigen Fragen, die in diesem Streit eineRolle spielen, gehört auch die, ob Deutschland schuld seian dem Niedergang der Silberpreise, weil es dnrch sein"w?u»7g^-böses Beispiel die anderen Staaten zur Nachahmung ver-führt und insbesondere Frankreich uud die ihm verbündetenStaaten zur Aussperrung des Silbers von seinen Präge-anstalten veranlaßt habe. Wir nennen diese Frage müßig,nicht bloß weil sie unzählige Male, mit Ziffern und That-sachen belegt, verneint worden ist, sondern weil sie auchfür die Zukunft gar nichts entscheidet. Die 600 MillionenMark Silber, welche Deutschland von 1873 79 verkaufthat, sind ein Tropfen im Meere gegen die Massen, die inden letzten 20 Jahren aus den Bergwerken gefördert und imHandel umgesetzt worden sind. Die Prodnction eines einzigenJahres reicht jetzt an die Summe heran, welche Deutschland überhaupt abgestoßen hat, nnd da ist noch nicht in Anschlaggebracht, was die englische Regierung jährlich an Wechselnauf Indien in Rupien an den Markt bringt, die grade sowirken wie Silberbarren. Der einfachste Verstand kann sichsagen, daß, wenn Deutschland im Jahre 1873 mit demUebergang zur Goldwährung und dem Abstoßen von Silbereinen Fehler gemacht hätte, die anderen Staaten, insbe-sondere das für deutsche Ideen wenig eingenommene Frank-reich , sicher sich von seinem Beispiel nicht hätten bethörenlassen. Es kann vielmehr keinem Zweifel unterliegen, daß,wenn Deutschland den unwiederbringlichen Moment jenerEpoche nicht benutzt hätte, um sein Münzwesen vom Silberzu befreien, Frankreich und seine Verbündeten mit Wonneihm möglichst viel Silber zugeführt und sich auf dieGoldwährung eingerichtet hätten. Ueberall wo man seit