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Bis zur Abschaffung des Königtums
Rom) und Fidenae (io Kilometer aufwärts von Rom am linkenTiberufer). Dabei handelte es sich aber nicht um nationale Gegen-sätze, sondern um lokale Fragen, namentlich um den Besitz desals etruskischer Brückenkopf auf dem linken Tiberufer den Rö-mern unbequemen Fidenae, andererseits des als Brückenkopf derStadt Rom das rechte Tiberufer beherrschenden Janiculum. Aberdas Verhältnis der Römer zu dem etruskischen Volke im Ganzenwar in jenen Jahrhunderten nicht nur friedlich, sondern es bestandzwischen beiden Völkern eine auf Interessengemeinschaft undreligiöse Beziehungen gegründete traditionell gepflegte Harmonie.Diese sprach sich aufs stärkste in den besonderen Beziehungenaus, welche die Römer zu der ebenso alten wie blühenden StadtCaere (griechisch: Agylla) pflegten und welche ihre höchste histo-rische Weihe darin fanden, daß, als 390 v. Chr. Rom von den Gal-liern (Brennus) niedergebrannt wurde, die Stadt Caere die geflüch-teten Priester und Vestalinnen aufnahm. Caere war die ältesteund hervorragendste Trägerin eines, wie man in moderner Aus-drucksweise wohl sagen darf, internationalen Kulturgedankens.Sie wurde von den Römern hoch verehrt. Caere beteiligte sich alseinzige der größeren Städte Etruriens nicht an der sonst allgemeingeübten Seeräuberei, wie ihr von Strabo bezeugt wird. Sie ver-mittelte dagegen den Römern durch ihren berühmten und mächti-gen Hafen Pyrgi überseeischen Handel und Verkehr, und ver-sorgte Rom mit religiösen, staatsorganisatorischen, literarischen,künstlerischen Bildungselementen. Zur Erlangung etruskischerSprachkenntnis und Bildung wurden vornehme junge Römer, nachdem Zeugnis des Livius, °) nach Caere geschickt.
fische Lage der Bundesstädte ergibt eine ziemlich gleichmäßige Verteilungauf das gesamte Land. Mehrere Städte (Caere, Cortona , Tarquinii u. a.) sindvoretruskischen Ursprungs. Von anderen Städten, insbesondere von Veji,weiß man, daß sie nach der Einwanderung der Etrusker entstanden sind. —Die erhaltenen Ruinen, Gräberfelder und Einzelfunde, insbesondere in Veji,Caere, Tarquinii, Cortona , Perusia gewähren gewaltige Eindrücke.
5 ) Titus Livius (60 v. Chr. — 16 n. Chr.): „Rerum Romanarum ab urbecondita libri* Buch IX cap. 36: „Habeo auctores vulgo tum Romanos pueros,sicut nunc Graecis, ita Etruscis erudiri solitos.“ — Livius spricht an dieserStelle von Römern des Jahres 310 v. Chr.