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Zu den bemerkenswertesten Momenten' in der Gestaltung derrömisch-etruskischen Beziehungen gehört die Tatsache, daß diedrei letzten der 7 römischen Könige: Tarquinius Priscus, ServiusTullius, Tarquinius Superbus , Etrusker waren. Nach der Über-lieferung ist Tarquinius Priscus 616 v. Chr. römischer König ge-worden, sodaß die letzten 100 Jahre vor der im Jahre 508 v. Chr.beginnenden Umwälzung der römischen und der etruskischen Ver-hältnisse im Zeichen einer, im einzelnen nicht überall ersichtlichen,nicht rechtlichen, aber politisch wirksamen personalen Unionstanden.
II.
Nachdem im Jahre 510 v. Chr. die Dynastie der Tarquinieraus Rom vertrieben und die Republik ins Leben getreten war, undim Jahre 50g ein zwischen Rom und den etruskischen Städten Vejiund Tarquinii entbrannter Kampf, im Walde Arsia, zugunstenRoms entschieden war, hätten nach römischer Überlieferung dieTarquinier sich an den Hof des Königs Lar Porsenna in Clusiumbegeben, um mit dessen Hilfe den römischen Königsthron wiederaufzurichten. Porsenna hätte zunächst friedliche Vermittlung an-geboten > diese sei abgelehnt, und Porsenna habe jetzt (507) dasrömische Janiculum, und von hier aus Rom besetzt. Er habe dieRömer gezwungen, ihn als Oberherrn anzuerkennen, alle Wattenabzuliefern und sich zu verpflichten, Eisen zu keinem anderenZweck als zum Ackerbau zu gebrauchen.
Die Sagen, mit welchen die römische Geschichtsdarstellungden Zug des Porsenna umgeben hat, weist Niebuhr mit dem Satzzurück: „Das dürfen wir behaupten, daß von diesem Kriege bisauf dessen Ende auch nicht ein einziger Zug historisch ist.“
Das für Rom ungünstige Ende des Krieges wird von keinerSeite bestritten. Ebenso unbezweifelbar aber ist die Tatsache, daßdie etruskische Oberherrschaft alsbald aufhörte. Wie, weiß mannicht. Th. Mommsen registriert: „Gewüß ist nur, daß die Etruskerauch diesmal auf dem linken Tiberufer sich dauernd zu behauptennicht vermochten.“