Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Die Gründung der palatinischen Stadt 23

Denkt man sich das auf diese Weise umschrittene Gebietals Rechteck gestreckt, so ergibt sich ein Quadrat, dessen 4 Sei-ten je ca. 600 m., der Umfang also 2400 in., und der Flächen-inhalt (ungerechnet die Abhänge) 360,000 qm. beträgt, also 36Hektar oder 144 Morgen. Das Gebiet umfaßte nicht allein denunteren Abhang und Fuß des Hügels, sondern auch einen gro-ßen Teil der ihn begrenzenden Ebene. Schneidet man aus diesemStadtumfang diejenige Fläche aus, welche bebaubar war, dasheißt ungefähr das Plateau, welches heute von den Ruinen derKaiserpaläste eingenommen wird, so ergibt sich ein Geviert vonje 400 m., d. h. eine Quadratfläche von 160,000 qm. oder 64Morgen.

Hinsichtlich der Bedeutung der ältesten ritualen Stadtgrenzeim Verhältnis zu der Stadtmauer und zu den beiderseits an dieserliegenden Bodenstreifen welche pomoerium heißen, ist folgendes zu bemerken: Pomoerium ist das außerhalb und innerhalbder Mauer an diese anschließende Gebiet, welches von den Augu-ren nach sakralen Regeln an Ort und Stelle durch Steine (cippi)bezeichnet, dadurch religiös befriedet und dem Sakralrecht derAuguren unterworfen wurde. Es durfte weder bebaut nochsonst benutzt werden. Dieses Gebiet und seine Grenzen blie-ben, was sie waren, auch wenn die Stadtmauern tatsächlich ver-schoben wurden. Das Gebiet des Pomoerium konnte nur durchdie auguralen Ritualien verändert werden, wie es als erster Ser-vius Tullius tat (Gellius noctes atticae XIII 14, Livius I 44).Das Wesen des pomoerium ist eine allem weltlichen, menschli-chen Recht entrückte sakralrechtliche Stellung. Es umfaßt nichtbloß gleichmäßig verlaufende Landstreifen, sondern enthält auchbreitere Vorlandflächen.

IV.

Die alte Sage über Roms Gründung hat die Tatsachen undderen Kunde derart verschüttet, daß es aussichtslos ist, ausden Fabeln mit einigen sicheren historischen und geografischenIndizien einen anderen historischen Kern herauszuschälen als den