Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Die Gründung der palatinischen Stadt

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Erwerbes erhöhe und der handelsmäßige Absatz der Produkte vonViehzucht, Landwirtschaft, Weinbau konkurrenzmäßig immermehr erschwert werde. Man müsse auswandern, und der einzigePlatz, der für neue Siedlung noch frei sei, seien die Hügel am Ti-berufer, welche sich leicht befestigen und verteidigen ließen, auchgutes Weide- und Ackerland in genügendem Maße böten, vor al-lem aber mittelst der Tiber Schiffahrt sowie durch die Verbindungmit dem herrlichen Caere und seinem großartigen Hafen jedeArt von Handel und Gewerbebetrieb ermöglichten. Auch mit denam Tiber oberhalb sitzenden Etruskern und Sabinern, mit denStädten Antemnae, Fidenae, Caenius, Collotia, Gabi, könne manVerkehr und Freundschaft pflegen und Handel treiben. In Etru-rien fließe Milch und Honig, dort sei auch die Hilfe der Götterdurch die Hilfe der haruspices und die Geheimnisse ihrer disciplina(haruspicina) leicht zu erflehen. Der Reichtum Etruriens und derInseln an Erzen gewährleiste jede Bewaffnung. Die Pferdezuchtder Etrusker werde dem Reiterdienst in Krieg und Frieden zugutekommen. Wenn Pessimisten vor der aria cattiva der Tibernie-derung und vor den Gefahren der Tiberüberschwemmungen warn-ten, so sei dagegen zu sagen, daß man sich gegen diese Gefah-ren wehren könne, indem man die Niederungen entwässere undgutes Gebirgswasser zuleite. Dabei werde man sich der Hülfeder in der Entwässerungskunst und in der Baukunst hervorra-genden Etrusker bedienen können. Die zu gründende Hügelstadtam Tiber werde prädestiniert sein zum Vorort der Sabiner undder Latiner. Sie sei das gegebene Entrepot für den latinischenFluß- und Seehandel und die natürliche maritime GrenzfestungLatiums, zugleich die Brücke von Latium nach Etrurien , undwahlweise als Brückenkopf gegen Etrurien und gegen Latiumverwendbar.

Derartige Begründungen für die Abwanderung nach derHügelstadt und die Gründung der Eidgenossenschaft mit der pala-tinischen Burg sind nicht überliefert. Aber sie sind in der Sach-lage enthalten. Stärker als die Überlieferung es vermögenwürde, spricht für diese Sachlage die tatsächliche historischeEntwicklung.