Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Bis zur Abschaffung des Königtums

Kapitel III.

Sabiner und Römer.

i.

s ist bereits von dem nachbarlichen Einfluß der Sabinerdie Rede gewesen. Nunmehr sind die Vorgänge zuerörtern, durch welche nach der römischen Überlie-ferung die SabinerMitbegründer der römischen Na-tionalität (Schwegler, röm. Geschichte Bd. i, S. 242) und römi-sche Staatsgenossen der Ramner geworden sind.

Zunächst sei die römische, in der Hauptsache notorisch sagen-mäßige Überlieferung berichtet.

Livius (1. 8 ff.) und andere römische Schriftsteller bringenfolgende, hier nach der Fassung von Schwegler (S. 459 ff. a. a. O.)mitgeteilte Erzählung vor: Die junge Stadt bevölkerte sich schnell.Romulus hatte, um Ansiedler herbeizulocken, eine Freistatt fürFlüchtlinge und Heimatlose aller Art eröffnet. Alsbald strömte ingroßer Anzahl aus den benachbarten Völkerschaften herbei, wasseiner Heimat überdrüssig war oder sie meiden mußte: Freie undKnechte, Unzufriedene und Verbannte, Abenteurer und Verbre-cher. Die Stätte des Asyls war ein Hain des capitolinischen Hü-gels, genauer jene Einsenkung, welche die beiden Höhen desBergs, Kapitol und Burg, von einander trennt, und nachmalszwischen den zwei Hainen hieß. Die auf solche Weise raschangewachsene Bevölkerung des jungen Roms bestand jedoch nuraus Männern. Über ein Menschenalter und die Stadt schienwieder aussterben zu müssen. Dem vorzubeugen, ließ Romulusdurch Gesandte, die er ausschickte, den Völkerschaften der benach-barten Städte gegenseitiges Ehebündnis antragen. Doch seinAntrag fand nirgends Gehör, wurde auch wohl mit hönischenWorten zurückgewiesen. Das verdroß ihn, er beschloß, durchList und Gewalt zu erringen, was man ihm gutwillig verweigerthatte. Sofort veranstaltete er, seinen Unmut bergend, festlicheSpiele zur Feier der Consualien, und lud die Nachbarn dazu ein.