58 Bis zui Abschaffung des Königtums
Über die Cloaca Maxima und das System, welchem sie diente,geben folgende Darstellungen Schweglers (Bd. I S. 798) undGesell-Fels (Rom und die Campagna 1883 S. 838) anschaulichenAufschluß:
Die Niederungen der römischen Hügel waren in derältesten Zeit Sumpfboden, und diese Versumpfung wurde teilsdurch die häufigen Überschwemmungen des Tiber , teils durch diezahlreichen Quellen, die keinen Abfluß hatten, genährt. Die Tal-gründe zwischen den Hügeln können daher ursprünglich nicht be-wohnt gewesen sein; auch die darüber liegenden Höhen müssenunter der Sumpfluft gelitten haben. Als die Römer und Sabinersich zu Einem Gemeinwesen vereinigten, so ließen, wie Dionysiuserzählt, die beiden Könige das Tal des nachmaligen Forums, dasdamals noch Gehölz und Sumpf war, ausreuten und durch aufge-schüttete Erde trocken legen. Dieses Mittel der Trockenle-gung war jedoch in jedem Fall unzureichend, da die von den Ber-gen nachfließenden Wasser sich doch wieder im Tale sammeltenund es versumpften. Nur ein verzweigtes System von Abzugs-kanälen, die das Grundwasser aufnahmen und dem Strome zuführ-ten, konnte dem Übelstand abhelfen, und dieser großartige Ge-danke ist in der tarquinischen Epoche ins Werk gesetzt worden.Das Schlußglied in diesem System ist der große Kanal (CloacaMaxima ). Er mündet zwischen dem sog. Vestatempel und demPonte rotto in den Tiber . Die Mündung des Kanals liegt fastganz unter dem Wasserspiegel des Flusses: nur bei tiefem Was-serstande des Tiber erhebt sich der Schlußstein des Gewölbes mehrals einen Meter im Lichten über das Wasser.*) Die große Cloakeist der Hauptstamm, in welchen sich die Adern der andern Kanälevereinigen, das „receptaculum omnium purgamentorum urbis“,wie Livius sich ausdrückt. Schon dieser Ausdruck des Livius,ebenso der Name „größte“ Cloake, noch mehr aber die Natur derSache setzt es außer Zweifel, daß mit jenem Abzugsgewölbe eineReihe anderer, bis an die östlichen Berge der Stadt sich verzwei-gender Kanäle in Verbindung stand. Die Natur der Sache: denndie große Cloake genügte nur für das Velabrum und die angren-
*) S. dagegen unten Seite 60.