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widerspruchsvoll und auch in ihrem traditionell typisch geworde-nen Inhalt größtenteils unglaubwürdig, unwahrscheinlich, teilweiseabsurd.
Eine Darstellung der Geschichte der Stadt Rom , welche an-gesichts dieser Lage den Versuch unterließe, Ordnung in die Ma-terie zu bringen und dem Leser behilflich zu sein, daß er die Dingeirgendwie plastisch sehe, wäre nicht zu verantworten.
Die Aufgabe kann nicht erfüllt werden, ohne starke Erwei-terung des Horizonts über die in der verstreuten Literatur ein-seitig eingestellten Anschauungen hinaus.
Es bieten sich folgende Gesichtspunkte für die Erforschungund Darstellung der an das 244-ste Jahr der Stadt (=5x0 v. Chr.)geknüpften Krisis:
1. Man kann chronistisch und kritisch-annalistisch die einzel-nen Tatsachen festeilen (oder ablehnen), welche in der Zeit seitdem Regierungsantritt des letzten Königs (534 v. Chr.) bis zudessen Vertreibung liegen.
2. Man kann den inneren politischen, kulturellen, wirtschaft-lichen Triebkräften nachspüren, welche die in diesen Tatsachenhervortretende Bewegung bestimmt haben.
3. Man kann in bildhafter und zugleich geschichts-philosophi-scher Anschauung den inneren Sinn des Gesamtvorganges zu er-fassen und darzustellen versuchen.
Jedem dieser drei Gesichtspunkte gerecht zu werden, muß hierversucht werden.
Aus den Darstellungen von Livius (I 49), Dionysius von Ha-licarnassos und anderen römischen Schriften, ergibt sich folgende(im wesentlichen nach Schwegler, röm. Geschichte Bd. I S. 765)wiedergegebene Anklage gegen Tarquinius .
Durch Gewalt, ohne vom Volke ernannt oder von den Väternbestätigt zu sein, war Tarquinius auf den Thron gelangt: durchGewalt behauptete er sich darauf. Sein Erstes war, daß er dieGerechtsame, die Servius Tullius der Gemeinde verliehen hatte,