Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Roms Kriege bis zum Jahre 91 v. Cbr.

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meinem Bundeskrieg gewonnen wird, soll zwischen beiden zurHälfte geteilt werden. Viertens: Privatprozesse zwischen einemRömer und Latiner sollen binnen zehn Tagen gerichtlich entschie-den werden, und zwar an dem Orte, wo der Kontrakt geschlossenworden ist. Fünftens: an diesem Bunde soll nichts ab und zugetanwerden, es sei denn, die Römer und sämtliche Latiner wären damiteinverstanden.

Uber hundert Jahre dauerte dieses römisch-latinische Bundes-verhältnis fort, zwar mit steigender tatsächlicher SuprematieRoms und mit fortgesetzter Schwächung Latiums durch Erobe-rungseinfälle der Volsker, aber doch ohne daß der Selbständig-keitssinn der Latiner und ihre kriegerische Kraft gebrochen wor-den wäre.

Erwähnt sei hier die Episode des römischen Patriziers Corio-lanus, der (um 393 v. Chr.) in politischem Grimm zu den Vols-kern ging, deren Anführer wurde und mit einem Heer gegen Rom zog, wo er 5 römische Meilen vor der Stadt, den Bitten seinerMutter Veturia und seiner Gattin Volumnia nachgebend, mit demvolskischen Heer umkehrte:Mutter, Du hast Rom gerettet, abermich hast Du verloren.

In den Jahrzehnten nach der gallischen Katastrophe (390),welche Rom an den Rand des Abgrundes brachte und welche infortgesetzten Überfällen der Gallier (der letzte im Jahre 349) Rom in fortdauernder Unsicherheit erhielt, erhoben sich alle italischenVölker ringsum gegen Rom, auch die Latiner. Die Latiner be-trieben zunächst die Wiedererlangung ihrer inneren Selbständig-keit und Leistungsfähigkeit .

Endlich, im Jahre 340, hielten sie die Zeit zum offenen Kampffür gekommen.

Sie stellten ein Ultimatum, in welchem sie verlangten, daß siemit Rom zu einem Bundesstaat vereinigt würden, in welchem sieihrerseits den einen der Konsuln zu wählen hätten, und in dem dieHälfte der Senatoren Latiner sein müßten.