Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Roms Kriege bis zum Jahre 91 v. Chr.

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mäßiger Sold gezahlt wurde, dauerte kein Feldzug länger, als zweibis drei Wochen; der Schauplatz des Krieges lag selten über einenTagmarsch von Rom entfernt. Eine eigentliche Kriegsführung, einplanmäßiges Operieren, der Heerführer darf man für jene Zeitnicht voraussetzen. Die gewöhnlichen Sommerfeldzüge trugen denCharakter von Raubzügen. Ihr Zweck war vorzüglich, Beute zumachen; damit verband sich die weitere Absicht, dem Feind so vielals möglich zu schaden. Das feindliche Land wurde verheerenddurchzogen; die Fluren wurden verwüstet, die Fruchtbäume um-gehauen, die Bauernhöfe und Dörfer eingeäschert.

Unter den Kriegen, die Rom mit seinen Nachbarvölkern ge-führt hat, tragen diejenigen mit den Sabinern am meisten den Cha-rakter der Rauferei. Die Einfälle der Sabiner in das latinischeund römische Gebiet sind in der Regel Streif- und Raubzüge; ihrZweck ist das Plündern und Beutemachen; zu einer förmlichenSchlacht kommt es fast nie.

Die gewöhnliche Erzählung lautet so: Die Sabiner erscheinenplötzlich und unversehens am Anio, plündern und verwüsten dieUmgegend; treiben das Vieh weg, stecken die Wohnungen derLandleute in Brand. Die Kunde von dem verheerenden Einfallgelangt sodann durch den Anblick des aufsteigenden Rauchs oderdurch flüchtende Landleute nach Rom ; ein römisches Heer ziehtden Plünderern entgegen, worauf diese, meist ohne Widerstand zuleisten, bisweilen nach einem leichten und unblutigen Gefecht, sichwieder in ihr Gebirge zurückziehen. Das römische Heer verfolgtsodann die Heimkehrenden eine Strecke weit, sucht ihnen die ge-machte Beute wieder abzujagen, und kehrt endlich, oft ohne denFeind eingefangen zu haben, zurück.

IV.

Bevor zur Darstellung der neuen Reihe von Kriegen überge-gangen wird, welche (von 343 an) Rom zu führen hatte, sei hiereine zurückblickende und eine vorschauende Betrachtung einge-schaltet: