96 Von der Abschaffung des Königtums bis 91 v. Chr.
Die Gesamtheit der bisher geschilderten Kämpfe ist eineKette von schweren Gefahren für die Stadt und für das Staats-wesen. Die bis unter die Mauern der Stadt vordringenden An-griffe stellten die militärische Wehrkraft und den Bürgersinn desVolkes unablässig auf die härteste Probe. Die Not dieser Kämpfewar die Erziehung der Bürger zum Volk in Waffen.
Militärisch war deswegen auch die gesamte Gestaltung derStadt, das Leben ihrer Bevölkerung.
Die Servianischen Befestigungen und die Servianische Ver-fassung waren der durch staatsmännischen Willen vermittelteAusdruck für den Festungscharakter des steinernen Stadtbildessowie für die Identität von Bürgerschaft und Wehrmacht.
Aus der militärischen Einstellung des Stadt- und Staatswe-sens ergaben sich sehr weittragende Folgen, welche die Entwick-lung Roms zwangsläufig bestimmten. Rom mußte Angriffskriegenicht nur führen als das beste Mittel der Verteidigung, sondernauch zur Erlangung der materiellen Mittel der Kriegsführung, zu-mal da in der älteren Zeit der Handel und die Schiffahrt, welchespäter Roms Stärke wurden, unter dem Druck der steinernen Rü-stung der Stadt und der eisernen Rüstung der Bürger gehemmtwurde.
Aus der Gesamtheit dieser Lage erwuchs für die römischePolitik, schon sehr frühe eine zweifache Direktive: einerseits diemilitärische und politische Unterwerfung der mittelitalischen Völ-ker, andrerseits die Aufrechterhaltung und Entwicklung der indiesen Völkern und in dem freien Verkehr mit denselben gegebenenMöglichkeiten des Friedens und der allgemeinen Wohlfahrt.
Diese Direktiven erweiterten sich, nachdem die Unterwerfungder mittelitalischen Völker, sowie die Herstellung einer gewissenRuhe in Mittelitalien vollbracht war (343) geographisch durch dieErstreckung der Aufgabe auf das südliche Italien .
Die staatsmännische Weisheit der Römer, welche nicht Vor-behaltgut einzelner Köpfe, sondern Erbgut der Nation war, löstediese Aufgaben dadurch, daß der Besiegung der Völker nicht Un-