100 Von der Abschaffung des Königtums bis 91 v. Chr.
„gallische Brand“, oder „das Unglück der Allia-Schlacht“ (rö-misch : „dies Alliensis“) ist eine über Rom verhängte Katastropheaußer Vergleich mit den Einbrüchen räuberischer Nachbarvölker,kriegerischen Auseinandersetzungen mit Latium und den Sam-nitern.
Der Sturmlauf, mit welchem im Juli 390 v. Chr. keltischeHeerhaufen (es sollen über 70.000 Mann gewesen sein) auf dieStadt Rom stießen, die Stadt ohne Widerstand besetzten, plün-derten, niederbrannten, war ein beispielloser Frevel wütenderHorden. Für die Römer war es eine Niederlage, deren Frucht-barkeit und Schmählichkeit auch später in ähnlichen Krisen derStadt nicht wieder erreicht worden ist.
Der Hergang war nach der berühmten Darstellung des Liviusfolgender:
Keltische (gallische) Scharen waren nach der Eroberung derStadt Melpum (jetzt Melzo, bei Mailand ) mit reißender Gewaltgegen Süden aufgebrochen. Fine größere Schar derselben drang391 in Etrurien ein, rückte vor Clusium (= Chiusi, 160 km vonRom ), verlangte Gewährung von Acker- und Siedlungsland, undschritt, als dies abgeschlagen wurde, zur Belagerung von Clusium ,dessen Gebiet die Eindringlinge zu verwüsten begannen. DieClusiner wendeten sich nach Rom und baten um Hilfe. Der Senatschickte als Gesandte drei Fabier, Söhne des Oberpontifex M. Fa-bius Ambustus, welche mit den Galliern in schroflf ablehnenderStellung verhandelten, worauf die Gallier eine Schlacht eröffneten.An dieser Schlacht nahmen die Fabier (wie Livius bemerkt: alsGesandte gegen das Völkerrecht verstoßend) teil, von denen einer,Q. Fabius, gegen die gallische Schlachtreihe vorsprengend, einenvornehmen gallischen Anführer mit der Lanze durchbohrte. — AlsQ. Fabius von den Galliern als einer der Gesandten erkannt wurde,ließ der gallische Oberbefehlshaber, Brennus , (kein Eigenname,sondern Bezeichnung der Führerstellung) zum Rückzug blasen,„um nicht durch Blut von Gesandten Verschuldung auf die Gal-lier zu laden“. Anstatt der Fortsetzung des Kampfes wurdevon den Galliern die Entsendung einer aus den riesenhaftestenMännern des Heeres bestehenden Gesandtschaft nach Rom be-