Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Roms Kriege bis zum Jahre 91gv. Chr. 101

schlossen, die Auslieferung der Schuldigen zu fordern DerSenat legte die Entscheidung in die Hand der Volksversammlung.Diese wählte die drei Fabier zu Konsulartribunen und verwei-gerte deren Auslieferung mit der Begründung, das Amt einesKonsulartribunen stehe der Auslieferung entgegen. Die Galliermöchten übers Jahr wiederkommen, wenn bis dahin ihr Zorn sichnoch nicht gelegt haben sollte. Kaum war den Galliern dieseAntwort überbracht, als sie mit ihrer gesamten Heeresmacht ge-gen Rom aufbrachen. Eine unabsehbare Menschenmenge be-deckte die Fluren; in tosendem Getümmel, wie ein brandendesMeer, wogte sie vorwärts; ihr wildes Geheul erfüllte die Lüfte.Die Landleute flüchteten, die Städte schlossen die Tore und rü-steten sich zur Gegenwehr: die Barbaren aber gaben mit lautemGeschrei zu verstehen, sie zögen gegen Rom , und eilten rastlosweiter. Am elften Meilenstein der salarischen Straße trafen siemit den Römern zusammen, die mit eilig zusammengerafftemHeer ihnen nur bis hier hatten entgegenrücken können; und dieunglückselige Schlacht begann, deren Name und Tag bis in diespätesten Zeiten dem Römer ein Gegenstand der Verwünschunggeblieben ist. Die Gallier warfen sich in ungeheuren, unregel-mäßigen Massen und mit einer entsetzlichen Wut auf den Feind;die Hintenstehenden trieben die Vorderen vorwärts, und durchdieses wilde Ungestüm des ersten Angriffs wurden sie für diedamalige Kriegsordnung der Römer unwiderstehlich. Der ersteStoß war meist entscheidend: er entschied auch die unglücklicheSchlacht an der Allia. Bis dahin hatten die Römer nur mit Nach-barvölkern verwandter Kultur gerungen, deren Bewaffnung undKampfweise sich von der römischen nicht erheblich unterschied:bei den Galliern war ihnen alles neu und ungewohnt. Die riesen-haften Leiber der Barbaren, ihr wildes Aussehen, ihr trotzigerBlick, das schreckhafte Schlachtgeheul, mit dem sie sich ins Hand-gemenge stürzten, und die unheimlichen Töne der zahllosen Hör-ner, durch deren Schall sie sich zu wilder Kampflust entflamm-ten. Das Alles zu dem rasenden Ungestüm des ersten Angriffshinzugerechnet, so begreift man, wie die Römer unter der Gewaltdieser Eindrücke die Fassung verlieren konnten, den panischen