116 Von der Abschaffung des Königtums bis 91 v. Chr.
Göttern gefallen möge, die Angelegenheiten des römischen Volkeszu verbessern und zu verstärken. Als nun der Eroberer von Kar-thago die Censur verwaltete, änderte er die Formel des Gebetes —denn die Stellung der Republik sei jetzt eine große und gute —dahin, daß es den Göttern gefallen möge, sie in derselben unver-sehrt zu erhalten. Diese Veränderung ist später beibehalten wor-den.“ Ranke fährt fort: „Wir befinden uns in einem der größtenweltgeschichtlichen Momente, den wir vielleicht als den erstenTeil der für die historische Wissenschaft ergreifbaren Geschichteder Welt betrachten dürfen. Die unabhängigen Gestaltungen derältesten Welt, die sich mit ureigener Kraft, jede auf ihrem be-sonderen Grund und Boden, erhoben hatten, verschwanden: vorder römischen Oberherrlichkeit beugten sich alle anderen Gewal-ten. Dem Gebet des Scipio liegt das Gefühl zugrunde, daß dasgroße Werk der vorangegangenen Jahrhunderte vollbracht sei.Man rechnete darauf, daß das römische Gemeinwesen zunächstkeiner äußeren Gefahr mehr unterliegen oder jeden Angriff leichtzurückweisen würde. Rom hatte alle anderen Souveränitätenabsorbiert und war an ihre Stelle getreten.“
XI.
Aus dem Reich Alexanders des Großen (356—323) und des-sen durch die Kämpfe der Diadochen (323—301) und durch an-dere Vorgänge herbeigeführten Wandlungen waren, außer zahl-reichen kleineren Staaten, selbständigen Städten, Bünden, dreiGroßstaaten hervorgegangen: Macedonien, Asien, Ägypten .
Hier ist nur Macedonien, das kleinste der drei Reiche, insAuge zu fassen.
Von 220—179 war König von Macedonien Philippos V.Gegen ihn führte Rom 215—205 den ersten der sogenannten ma-cedonischen Kriege. Es handelt sich dabei in der Hauptsache fürRom darum, die macedonische Oberhoheit über die griechischenStaaten abzuwenden. Im Sinn dieses Zieles brachte Rom währenddes Krieges ein Bündnis griechischer Staaten zustande, an des-sen Spitze die Aetoler standen, und welche gegen Philippos kämpf-